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Der ZO Trash Talk: HORRESQUE im Interview

Reale Abartigkeiten, Todsünden, pandemische Katastrophen




Sie sind energiegeladen, dunkel, brachial, besitzen ein feines Händchen für Melodien und haben ein durchdachtes lyrisches Konzept. Und trotzdem, obwohl sie alles richtig machen, schippern Horresque für viele noch etwas unter dem Radar. Woran das liegen mag, wie dagegen angegangen werden soll und welche Rolle das neue Album „Chasms Pt. II - The Devouring Exorbitance“ dabei spielt, klärten wir mit Gitarrist und Hauptsongwriter S. D. und Sänger M. R.

Hallo erst einmal und danke, dass ihr euch die Zeit für unsere Fragen nehmt. Bevor wir auf Details eingehen, stellt euch doch bitte einmal ganz kurz vor, damit unsere Leser wissen, mit wem sie es zu tun haben: Wer seid ihr zwei eigentlich? Wer sind Horresque? Wofür steht der Name eurer Band? Das Internet sagt, es sei eine Kombination der Worte „Horror“ und „Grotesk“ (engl. „Grotesque“) – Ist das korrekt und was steckt genau dahinter?

S.D.: Wer wir ganz konkret sind, tut eigentlich nicht wirklich viel zur Sache, auch wenn wir kein komplettes Geheimnis daraus machen, wer hinter Horresque steht. Dennoch sind alle Mitglieder nur mit den jeweiligen Initialen hinterlegt. Das machen wir aber vor allem vor dem Hintergrund, dass sich Horresque als Band als eine Einheit versteht, die nur als Summe ihrer Einzelpersonen funktioniert. Einzelne Members ins Schaufenster zu stellen oder hervorzuheben, haben wir von Anfang an bewusst unterlassen; auch wenn M.R. früher bei Discreation gesungen hat und S.D. bei Nocte Obducta, Suel, Slidhr und Crescent am Start ist, und noch diverse Live-Session-Aktivitäten verfolgt. Zurück zur Frage: Wir sind zwei im deutschen Extremmetal-Underground nicht komplett unbekannte Musiker, aber Horresque wollen mit dem überzeugen, was wir tun, und nicht damit, wer wir sind.

M.R.: Was den Bandnamen angeht, wollten wir Gründungsmitglieder (wir beide, R.P. und unser damaliger Drummer M.H.) einen Namen der einzigartig ist, alleine für den Wiedererkennungswert. Da das lyrische Konzept damals schon feststand, kamen wir irgendwann auf die Idee ein Kofferwort aus den beiden Begriffen „horrific“ und „grotesque“ zu bilden.

Bevor wir uns dem aktuellen Werk zuwenden, möchte ich zuvor auf euer Debüt zu sprechen kommen. Es teilt sich den ersten Teil des Namens mit eurer Neuerscheinung. Von daher gibt es ja eine klare Verbindung. Wie genau sieht diese aus? Welcher Teil eures Konzepts steckte bereits im Vorgänger und wie trägt sich dies im Neuling fort?

M.R.: Ich beschäftige mich schon seit langem mit all den realen Abartigkeiten unserer Spezies und konnte mir über die Jahre einen ziemlich großen Fundus an einzelnen Themen und Quellen zusammensuchen. Bei Gründung der Band habe ich diese dann (nach dem Vorbild der Todsünden, nur in einer eigenen, moderneren Interpretation) in verschiedene grobe Kategorien unterteilt und versuche diese nun mit einzelnen Beispielen zu verarbeiten. So hatte ich auf „Chasms I“ die Oberthemen „Gier“ und „Rache“ (mit jeweils 4 Beispielen) gewählt, auf „Chasms II“ geht es nun um „Machtmissbrauch“ und „Maßlosigkeit“ (anhand von jeweils 3 Beispielen). Übrigens verlinken wir immer einige Quellen auf unserer Bandcamp-Seite unter den einzelnen Songs.

Nun aber zu „Chasms Pt. II“: Einen Zusammenhang zwischen beiden Platten haben wir nun schon hergestellt, worin aber seht ihr selbst Unterschiede zur Scheibe von 2020? Gibt es überhaupt welche und wenn ja, wie kamen diese zustande? Welche Neuerungen gefallen euch persönlich besonders?

S.D.: Auch wenn es abgedroschen klingt, da so ziemlich jede Band diese Dinge ähnlich sieht und beantworten dürfte: Die Unterschiede zwischen beiden Platten sind durch die Weiterentwicklung als Menschen und als Musiker aus meiner persönlichen Sicht größer, als die Gemeinsamkeiten.

Die gefühlt ewige Zeit der Pandemie hatte beinahe eine Art zwanghafte innere Einkehr zur Folge, in der wir uns selbst immer wieder aus der aufgezwungenen Lethargie herausholen mussten. Die Perspektiven für Bands sind auch beileibe nicht einfacher oder gar vielversprechender geworden, sondern durchweg schlechter. Es gibt seit Covid sogar noch viel mehr Soloprojekte, die auf den eher kleinen Extrem Metal-Markt drängen.

Und wenn man herausrechnet, dass Alben ja noch einen Produktionszeitraum brauchen, sind zwischen „Chasms I“ und „II“ auch viele Jahre vergangen. Wir hatten zudem mit M.P. am Schlagzeug und T.S. am Bass zwei neue Leute in die Band geholt. Sie haben logischerweise mit ihrem individuellen Ansatz, ihre Instrumente einzusetzen, und mit ihrem Input beim Arrangieren der neuen Songs zusätzliche, frische Impulse in die Band gebracht. Im eigentlichen Songwriting haben wir uns atmosphärisch viel stärker in Richtung des Black Metals entwickelt, während bei „Chasms I“ die Old School-DM Vibes viel dominanter gewesen sind. Aus meiner Sicht als Songschreiber sind wir inzwischen  wesentlich melodiöser, stellenweise auch dissonanter unterwegs und haben in der Gitarrenarbeit große Schritte gemacht, die sich fast so anfühlen, als hätten wir auf dem Weg zur neuen Platte einen Albumzyklus übersprungen, da sich der Schritt einfach sehr groß scheint. Aber das ist mein individueller Eindruck und natürlich komplette Binnensicht.

Gerade du, S.D., bist ja ein kleiner „Hans Dampf in allen Metal-Gassen“. In wie weit beeinflussen dich deine anderen Projekte beim Schreiben von Musik für Horresque? Ist es für dich schwer, die Grenzen zu ziehen? Kannst du deine (vielen) Schalter da ganz easy selbst umlegen oder helfen deine Bandkollegen dir dabei?

Ich bin tatsächlich in der Rolle als Songschreiber nur in zwei Bands aktiv, und zwar bei Horresque und Suel. Bislang lässt sich das komplett ohne Reibungspunkte an – ich bin mir eigentlich immer relativ schnell klar, für welche Band eine Idee in Frage kommt. Das liegt womöglich daran, dass ich vor allem auf die Atmosphäre der Idee achte, da für mich ein musikalisches Thema oder eben eine Melodie die Basis eines Songs bildet. Im Riffs-aneinanderhängen sehe ich dagegen nur wenig Reiz. Bei Horresque kommt dann noch der Prozess des gemeinsamen Arrangierens im Proberaum dazu, wo jedes Bandmitglied einen gleich großen Einfluss hat.

Bei Suel ist das komplett anders, da ich dort vor allem mir selbst genügen muss, bis ich entscheide, ob ein Stück funktioniert oder Änderungen sein müssen. 

Einmal möchte ich noch zum Debüt zurückgehen - Berichtigt mich gern, aber ich hab den Eindruck, dass dies nicht ganz so viel Aufmerksamkeit bekam. Woran lag das? War es der Corona-Pandemie zuzuschreiben, die es euch verwehrt hat, das Album live zu präsentieren? Reichte die Promotion durch das Label eventuell nicht aus? Über euren neuen Partner Supreme Chaos Records habt „Chasms Pt. I“ noch einmal neu veröffentlicht. Mit positivem Ergebnis?

S.D.: „Chasms Pt. I“ wurde drei Wochen vor dem ersten Lockdown veröffentlicht, wir hatten einige Gigs in Aussicht, aber die wurden bis auf eine Releaseshow abgesagt. Das hat natürlich für eine neue Band, die mit ner kleinen Firma im Rücken eine Debut-Platte veröffentlicht, weitreichende Folgen. Somit fiel „Chasms Pt. I“ als CD-Release nicht so deutlich auf, wie wir uns das alle zusammen gewünscht hatten. Wir stehen trotzdem immer noch komplett hinter der Platte, und live haben die Songs ihre Wirkung nie verfehlt, ganz im Gegenteil. Das Rerelease über SCR war dann die ersehnte Vinyl-Veröffentlichung. Wie Du sicher weißt, gibt es inzwischen Puristen, die nix außer Vinyl kaufen, ergo war es für uns extrem wichtig, ein Vinyl-Release zu bekommen, das auch am Merchstand viel Zuspruch erfährt.

Damit sich das nicht bei „Chasms Pt. II - The Devouring Exorbitance“ wiederholt, werdet ihr euch sicher Gedanken gemacht haben. Welche Maßnahmen werden euch hoffentlich voran bringen? Glücklicherweise sind die Möglichkeiten für Live Shows ja wieder groß und ihr könnt das neue Material diesmal wunderbar zur Schau stellen. Wo darf man euch denn in 2024, außer auf dem Party.San Open Air und dem Dat Unland Fier Festival, noch so bestaunen?

M.R.: Nun ja, gegen eine Wiederholung der Pandemie oder ähnliche Katastrophen kann man sich als Band natürlich leider nicht schützen. Was alles andere betrifft, machen wir uns ständig Gedanken, was wir verbessern können und arbeiten auch hart daran. Für das aktuelle Release haben wir z.B. keine Mühen und Kosten gescheut in kompletter DIY Manier zwei unterschiedliche Videos zu erschaffen, um der Platte auch eine visuelle Komponente hinzuzufügen. Und auch bei Live Shows tut sich aktuell einiges, so dass wir uns auf großartige Konzerte freuen dürfen. Abgesehen von den von dir genannten, werden wir im April eine Releaseshow in unseren Heimatgefilden in Mainz zusammen mit Agrypnie zocken und dürfen auch zum ersten Mal in der Schweiz die großartigen Schammasch bei ihrem Jubiläum unterstützen. Im Mai geht’s dann noch nach Aschaffenburg zum Dark Woods und natürlich sind noch weitere Gigs in Planung.

Dann freue ich mich schon mal auf ein Wiedersehen mit euch bei einer eurer energetischen Live Shows. Ich bedanke mich bei euch für die Beantwortung der Fragen. Wie es sich ziemt, gehören die letzten Worte euch. Wenn ihr noch etwas auf dem Herzen habt, dass ihr unseren Lesern sagen möchtet, dann immer raus damit!

M.R.: Wir freuen uns über das Interesse und bedanken uns für deine Mühe!
S.D.: Danke Dir sehr für die Gelegenheit!!




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