ENDLICH WIEDER ETWAS NORMALITÄT


TAG 1: Freitag, 23.07.2021 | TAG 2: Samstag, 24.07.2021


Es hat einen gigantischen Vorteil, wenn man aufgrund der Entfernung mit dem Auto unterwegs ist: Man wacht morgens ohne Eule auf und ist somit fit für den zweiten Tag, der mit ebensolchen Überraschungen aufwarten sollte wir der davor. Also frisch gestärkt, geduscht und poliert erneut Richtung Mahlsdorf aufgemacht, um noch einen Tag unter Gleichgesinnten zu verbringen.

Eigentlich war ja angedacht, lediglich bis 18 Uhr zu bleiben, um am gleichen Abend mit Space Chaser deren neues Album zu feiern, doch wir entschlossen uns schon den Abend zuvor, weiterhin beim Metal Gods mit Anwesenheit zu glänzen, da meine Frau auch unbedingt Metall hören wollte. Nun gut, ihr Wunsch sei mir Befehl.

Das unsere Entscheidung die richtige war merkten wir bereits beim Opener Reason for Jack, denn die Kölner konnten nicht nur uns, sondern auch die noch etwas verschlafen aus den Klüsen guckenden Besuchern mit ihrem Whisky und Lemmy geschwängerten Rock’n’Roll sofort mitnehmen und entfachten einen schier unbändigen Appetit auf ein bis zehn Frischgezapfte.

Schöner satter Sound der Jungs aus Köln, die sich mit zwei Ersatzmusikern an der Klampfe und den Drums verstärken mussten, sich das komplette Material innerhalb von 3 Wochen draufgepackt hatten und sich dies in keinster Weise anmerken haben lassen.



Sänger André stachelte die Leute immer wieder an und konnte sich später sogar noch als Liebhaber der harten Klänge profilieren, als er mich für mein Gutalax Shirt lobte. Starker und vor allem mehr als passender Opener!

Mit Hardholz aus Thüringen gab es nun ein wenig Ostalgisches, denn die bereits 1984 gegründeten Holzhacker gehörten in der ehemalige DDR zum rockenden Grundinventar und zeigten, dass sie seit der Neugründung im Jahr 2013 nicht verlernt haben. Schöner, teilweise doomiger Metal mit deutschen Texten, bei dem mir allerdings die etwas monotone Stimmlage von Frontmann Kelle irgendwann ein wenig auf die Socken ging. Dennoch eine energetische Performance, die nicht nur mit Spaß machte, sondern auch das nun etwas wacher werdende Publikum mitnahm und bestens unterhielt.

Ebenfalls aus der Heimat der berühmtesten Bratwurst bestiegen Demondriver schick in einheitlichen Hemden die Bühne und konnten mit ihrem treibenden Heavy Metal von der ersten Minute an begeistern. Der von seiner Nieren Insuffizienz gezeichnete Frontmann Iceman gab Vollgas und machte mit seiner stimmlichen Verbeugung von Bobby Blitz Ellsworth mächtig Eindruck.

Musikalisch gab es zwar noch ein paar Ecken und Kanten, doch das die Jungs was können, bewiesen sie mehrfach und vor allem bei der exzellenten abschließenden Coverversion des Maiden Klassikers „The trooper“, der natürlich lautstark von vielen biergetränkten kehlen mitgebrüllt wurde.


Starker Auftritt, der mit vielen „Zugabe“ Rufen belohnt wurde, aufgrund der engen Spielfolge allerdings nicht erfüllt werden konnte. Gerne wieder!

Ich gebe zu, dass ich mit Bloody Invasion ziemlich oft musikalisch (vor allem live) meine liebe Mühe hatte, doch heute konnten die Jungs aus Neuruppin ziemlich überzeugen, auch wenn man ihnen die lange, Corona-bedingte Zwangspause deutlich anmerkte und das Publikum mit Death Metal nicht unbedingt so viel anfangen konnte. Dennoch hat sich das Baby von Atzek richtig gut entwickelt und ich bin gespannt, was da zukünftig noch so kommen wird. Leider war aufgrund des unterschiedlichen Musikgeschmacks des Publikums nicht viel mehr als Höflichkeitsapplaus drin, der aber dann doch warm und herzlich ausfiel.

Mit Gun Barrel standen nun richtig routinierte Hasen auf der Bühne, die vom ersten Ton an Kniegas gaben und dem Publikum eindrucksvoll zeigten, wie fetter und treibender Heavy Metal geht. Frontmann Thomas Nathan war kräftig bei Stimme und auch der Rest des ebenfalls aus Köln stammenden Quintetts zeigte eindrucksvoll, warum sich die Band seit nunmehr 23 Jahren im oberen Drittel des Teutonenstahls tummelt. Jacky hatte einmal mehr den Jungs einen ultrafetten Sound auf den Leib geschneidert und vor der Bühne wurde es dementsprechend voller. Es wurden Fäuste nach oben gereckt, falsch mitgesungen und mächtig gerockt. Zu diesem Zeitpunkt waren Gun Barrel für mich DIE Überraschung des zweiten Tages, denn die Jungs waren vor allem musikalisch mehr als geil und machten mit diesem energetischen Auftritt Lust auf mehr.

Was nun folgte kann man getrost als DIE Überraschung des Wochenendes bezeichnen, denn wo ich in der Vergangenheit so manchmal meine liebe Mühe mit der von Sven „Halford“ Rappoldt re-animierten Ost-Metal Legende Metall hatte, so konnte das Quintett heute aber sowas von überzeugen. Satter Heavy Metal von vier definitiv nicht zum Alt-Metal gehörenden Routiniers und ihrem Jungspund Joel, der scheinbar sogar einen eigenen, weiblichen Fanclub aus Südamerika am Start hatte, der von vielen älteren Fans vor der Bühne mit leichter Freude begutachtet wurde. Es wurde ein schöner Querschnitt aus der bisherigen Schaffensphase der Jungs dargeboten, der zwar ebenfalls mit einigen Spielfehlern aufgrund der langen Zwangspause behaftet war, dem begeisternden Volk aber absolut nichts ausmachten.

Natürlich gab es noch ein Ständchen für Soundmann Jacky, der an diesem Tag Geburtstag hatte und dazu das obligatorische „Easy rider“, seinen „Lieblingssong“, der zweimal angespielt werden musste, was zu einem leichten Schmunzeln führte. Lediglich die nervigen Ost-Berlin-Rufe eines etwas angetüttert wirkenden Besuchers vor der Bühne gingen einem auf den Keks, die aber von Joel lächelnd mit dem Hinweis, er sei doch Wessi, gekontert wurden. Nein, Metall waren eine der besten Bands des Wochenendes und konnten auf ganzer Linie überzeugen.

Zu guter Letzt hielt die Grand Dame des teutonischen Heavy Metals Hof und alle fraßen Jutta Weinhold und ihren lila Vipern aus der Hand. Verständlich, denn der theatralischen Hohenpriesterin sieht und hört man zu keinem Zeitpunkt ihr Alter an (welches ich hier aus Höflichkeitsgründen mal nicht nennen werde) und gesanglich können viele der guten Jutta eh nicht das Wasser reichen. Was als Ersatz für die leider verhinderten Macbeth (hoffe, es ist alles gutgegangen…) aus der Not geboren war, entwickelte sich zu einer Demonstration von oldschooligem, an manchen Stellen herrlich übertriebenen High Class Metal mit viel Pathos, der von den Besuchern gnadenlos abgefeiert wurde. Auch hier machte Jacky einen fantastischen Job und schneiderte den Norddeutschen einen unfassbar fetten Sound auf den Leib, die scheinbar jede einzelne Sekunde auf der Bühne genossen. Nachdem ich 1988 letztmals die Vorgänger Zed Yago im leider lange schon verschwundenen Kultladen Quartier Latin letztals sah, freute ich mich darüber festzustellen, dass Velvet Viper das Vermächtnis perfekt bewahren und sogar noch weiter ausbauen. Das war geil, einfach nur geil…

Alles in allem war es ein herrliches und unter diesen Corona-geplagten Umständen grandioses Wochenende, schon alleine aufgrund der Tatsache, dass man endlich wieder mit Gleichgesinnten unter freiem Himmel laute Musik abfeiern konnte. Da machte es auch nichts, dass musikalisch das Metal Gods Open Air so ein wenig eine Ü50 Veranstaltung war und man durchaus bei der Bandauswahl auch etwas jugendlichere Töne hätte anschlagen können. Ebenfalls könnte man für nächstes Jahr mal über den Bierpreis nachdenken, der schon Wacken Niveau hatte und für Diabetiker, die keinen Bock auf Wasser oder Saft (hat ja so gar keinen Zucker, ne?), etwas ins Angebot zu holen.

Ansonsten Lob an das Halford Team, die hier wirklich unter den Gegebenheiten alles aus sich rausgeholt haben und uns endlich wieder ein wenig Normalität bescherten. Bis nächstes Jahr!


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