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BLOODYWOOD | CALVA LOUISE | DEMONIC RESURRECTION [28.02.2025 – Berlin @ Huxleys]


Als wir vor einer gefühlten Ewigkeit für Tales from the Hard Side in der Rubrik Rock You All Around the World nach Indien reisten, stieß ich auch auf Bloodywood. Dieser Mix aus Slipknot und Linkin Park, gepaart mit Monster-Mosh-Parts, gefiel mir verdammt gut. Doch in der Sendung fand die Band keinen Platz – das Veto des lieben Maik verhinderte es. Kann ich gut verstehen, denn dieser moderne Sound-Mix ist für den aufmerksamen Metal-Polizisten mehr als nur ein Grund, den Hörer sofort in Gewahrsam zu nehmen.
Ich allerdings fand die Band mehr als originell und wollte sie unbedingt einmal live erleben. Die erste Gelegenheit bot sich am 13.03.2023, doch das Berliner Lido war restlos ausverkauft – die Live-Premiere musste also noch knapp zwei Jahre warten. Hat es sich gelohnt?
Als wir überpünktlich gegen 19:00 Uhr in Kreuzberg ankamen, war die legendäre Konzertlocation noch recht spärlich gefüllt. Allerdings war die Empore geöffnet, was darauf hindeutete, dass es später noch kuschelig werden könnte. Die lange Schlange am Merch-Stand ließ bereits den Status erahnen, den die Mannen aus Neu-Delhi mittlerweile in Europa erreicht haben. Meine Frau jedoch ging kackfrech an die Seite – „nur um zu gucken“ – und drängelte sich damit frech an knapp 200 Wartenden vorbei, um sich ein mit Ganesha bedrucktes Shirt zu sichern. Unverschämtheit!
Punkt 19:30 Uhr starteten dann Demonic Resurrection aus Mumbai, also Landsleute der Hauptprotagonisten. Ich hatte von den Death-Black-Metallern bereits rudimentär gehört, mich im Vorfeld natürlich ein wenig mit ihrem Material vertraut gemacht und war gespannt, was der Vierer auf die Bretter zaubern würde.
Der Mix aus Emperor, Dimmu Borgir und fetten Thrash-Riffs ging megagut ins Ohr. Und obwohl das Quartett musikalisch so gar nicht ins heutige Konzept zu passen schien, rasteten die Leute vor der Bühne mächtig aus. Echt geil! Ich habe selten erlebt, dass bei einer derart harten Band die Zuschauer im Takt mitklatschen und am Ende so euphorisch jubeln.
Dementsprechend gut war die Laune bei Bandchef Sahil Makhija, der mit seinem herrlich indisch-englischen Akzent mehrfach das Publikum lobte – und das völlig zu Recht, denn die Leute hatten scheinbar mächtig Bock, heute mal komplett auszurasten. Der Sound war megafett, die Songs abwechslungsreich, und das gesamte Auftreten der Band wirkte mehr als kurzweilig und sympathisch. Mit 25 Karrierejahren und insgesamt fünf Studioalben waren Demonic Resurrection die mit Abstand am längsten im Business vertretene Band des Abends – und sie genossen die Anerkennung des Publikums sichtlich.
Ich war jedenfalls so begeistert, dass ich mir nach dem Konzert sofort ein Shirt beim Bandchef kaufte – und dabei feststellte, dass der Junge aussieht wie eine indische Version von Protzen-Chef Mario Grimmer. Lustig!
Danach stand das französisch-neuseeländisch-britische Trio Calva Louise auf dem Speiseplan. Auch hier hörte ich mich vor dem Konzert ein wenig in das vorhandene Songmaterial ein und war gespannt, wie der alternative, progressive Rock beim Publikum ankommen würde.
Blickfang war natürlich Frontfrau Jess, die abwechselnd Gitarre und Keyboards spielte und sich dabei sowohl schreiend als auch wehklagend gesanglich durch alle Sphären rockte. Das war definitiv speziell, aber keineswegs schlecht und unterstrich den enormen Abwechslungsreichtum des heutigen Abends. Auch die eingestreuten Elektro-Beats passten prima, und als dann plötzlich der letzte Song angekündigt wurde, dachte ich bei mir: „Was, schon vorbei?“ War echt gut – wenn auch nicht unbedingt die Mucke, die ich privat auflegen würde.

Nun war aber die Zeit für Bloodywood gekommen – und nach einer enorm langen Umbaupause, die keiner so richtig nachvollziehen konnte, erklangen die ersten Töne von „Dana Dan“ vom ersten regulären Album Rakshak. Das nun proppevolle Huxleys rastete komplett aus. Moshpits, Circle Pits und ohrenbetäubender Jubel waren fortan ständige Begleiter der ultra-sympathischen Racker aus der indischen Hauptstadt. Überhaupt forderten wir nach dem Konzert mehr indische Bands auf Deutschland-Tour, denn ich habe noch nie so nette und höfliche Musiker wie heute kennengelernt. Zurück zum Gig.
Der Sound war ordentlich, wenn auch etwas zu basslastig – was aber niemanden so richtig störte. Meine Frau drehte komplett frei, was am nächsten Tag zu anhaltendem Muskelkater führte, und die Empore bebte ein wenig besorgniserregend. Bloodywood trugen ihren Teil dazu bei, denn diesem Genremischmasch, gepaart mit indischer Folklore, kann man sich wahrlich schwer entziehen. Mit lediglich einem Album und einem Ende des Monats erscheinenden zweiten Werk eine Location wie das Huxleys auszuverkaufen, zeugt von der enormen Popularität, die die Band mittlerweile innehat.
Natürlich kam da viel von Band – und dennoch knallte das wie Pfeffi am Morgen auf dem Chronical Moshers. Die Stimmung war ausgelassen, und Bandchef Karan Katiyar strahlte mit den Zuschauern um die Wette. Da hatte sich die Entscheidung, 2016 seinen Job als Anwalt an den Nagel zu hängen, scheinbar als goldrichtig erwiesen. Als Frontmann Jayant Bhadula dann in seiner Dankesrede zuallererst die Crew vorstellte und lobte, hatten Bloodywood endgültig den Sympathie-Pokal gewonnen.
Natürlich gab es die beiden momentanen Superhits „Nu Delhi“ und „Bekhauf“, bei dem sogar Babymetal von Band hinzugeschaltet wurden – und man fast Angst haben musste, dass das altehrwürdige Gebäude dem Erdboden gleichgemacht wird. Es wurde kollektiv ausgerastet, und als der letzte Song „Gaddaar“ mit seinem unverwechselbaren Intro ertönte, gaben alle Anwesenden noch einmal alles. Der Boden bebte beim gemeinsamen Auf-und-Abspringen. Jesses…
Ein großartiger Abend mit tollen Bands, mega Abwechslungsreichtum und der Gewissheit, dass man Bloodywood zukünftig nicht mehr in Clubs oder halbgroßen Hallen bewundern wird. Diese Band ist für Arenen bestimmt – und sie haben in mir definitiv einen Fan hinzugewonnen. Geiles Konzert.