CD-Reviews K-M

MULLA – جن

(7.379) Maik (2,0/10) Black Metal


Label: Subsound Records
VÖ: 15.10.2021
Stil: Black Metal

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Zuerst war ich ja recht interessiert, als ich las, daß MULLA eine Black Metal Band aus dem Irak sei. Nun sind wir Schreibsklaven ja angehalten, ein wenig im Netz zu recherchieren, und sei es nur, die ganzen Weblinks, die Ihr anbei findet, zusammenzusuchen.Bei dieser Tätigkeit bin ich dann darauf gestoßen, dass die Sache mit dem Irak wohl nicht so wirklich den Tatsachen entspricht. Man ist sich auch nicht ganz so einig, wo die beiden Schwarzmaler nun wirklich herkommen, und im Grunde ist das wohl auch nicht wirklich relevant. Wer mehr über diesen Fall wissen will, kann sich auf Metalcrypt weiter belesen.

Abgesehen von diesem offensichtlichen Etikettenschwindel ist das Duo, welches seit 2020 im Black Metal-Sektor hantiert, wohl recht fleißig, ist dies doch schon das dritte Album von MULLA. Shakri, der für Schlagwerk und Gitarren zuständig ist, und sein Kollege Shahram, der die zweite Gitarre, den Bass und die Vokalistaion übernommen hat, haben den arabischen Anspruch auf die Spitze getrieben, und auch – wie auf den vorangegangenen Releases – Titel und Tracklist in arabischer Schrift und Sprache angegeben. Das Album heißt übersetzt „Dschinn“. Dazu kommt ein wohl aus dem Internet zusammengediebtes Coverartwork. Selbiges zeigt eine verschleierte Frau, eine orientalische Stadt samt Moschee, eine Schlange und Aladins Wunderlampe. Das lässt irgendwie auf eine Illustration zu den Märchen aus Tausendundeiner Nacht mutmaßen. Und Klischee pur.

Weniger märchenhaft geht es musikalisch zu. Die beiden Songs mit epischer Überlänge schwelgen in der Tradition der zweiten Welle des neuen Black Metals und versprühen den akustischen „Charme“ mittneunziger Blackmetal- Demotapes inklusive schrottigen, höhenlastigen Sound. Die Gitarren erinnern an die Frühwerke von COUNTESS, während der Gesang an das erste EMPEROR- Demo gemahnt. Nur eben noch räudiger.

Das fast sechzehneinhalb Minten lange „أحلم الجني“, was so viel wie „Ahlum Aljinyu“, oder „Ich träume von einem Dschinn“ heißen soll, beginnt mit irgendwelchen wüstenmäßigen Geräuschen, bevor der minimalistische Schwarzmetall der beiden MULLAs einsetzt. Größtenteils durch monotones Riffing dominiert, mit einige Einschüben, zum Beispiel einem orientalischen Gong oder Wüstensturmakkustik. Dabei wirkt die höhenlastige Gitarre tatsächlich ein wenig orientalisch. Gesungen wird wohl auch in Arabisch, aber bei der „Produktion“ könnte das auch Klingonisch oder Mando’a sein.

Noch länger, und zwar fast zwanzig Minuten, ist الهمس من الرمال“ („Lahams Min Alrimal“, oder „Flüstern aus dem Sand“) der dafür noch etwas mehr Abwechslung bereithält. Zum Beispiel kommt nun auch Klargesang hinzu, orientalisch anmutende Einschübsel und an Soundtracks von Sandalenschinken wie „Land der Pharaonen“ erinnernde Bombastversuche. Das wäre insgesamt auch recht interessant, aber mittlerweile geht einem der Staubsaugersound ziemlich auf den Rauschunterdrücker.

Und das ist im Grunde auch das Manko der Aufnahme. Die offensichtlich beabsichtigte Soundkatastrophe soll wohl suggerieren, daß die beiden subversiven Gestalten die Mucke irgendwo unter Lebensgefahr in einem verlassenen Grabtempel mitten in der Wüste zusammengeschwartet haben. Umgeben von mörderischen Kamelen und finsteren Gesellen mit Krummsäbeln. Und wäre dem so, würde mein überschwänglicher Respekt für so eine Leistung etwas höher in die Punktewertung greifen.

Da es aber so aussieht, als wäre der Grottensound nur ein weiterer Baustein einer unglaublichen Fake- Geschichte, fühle ich mich ein wenig verarscht. Zugegeben, sie ziehen die Story konsequent durch, und in Zeiten vor dem allwissenden Internet würden sie auch ohne Frage damit durchkommen. Aber irgendwie kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier auf Teufel komm raus Aufmerksamkeit geheischt wird. Und wenn das Ganze dann auch noch mit einem Sound aufwartet, den 16-jährige Kids so um 1994 mit geborgten Instrumenten und Papis Sternrekorder im Kohlenkeller der Oma nach drei Wochen Gitarrelernen um einiges besser hingekriegt hätten, fühle ich mich zum zweiten Mal verarscht.

Meine beiden arabischen oder französischen, kasachischen, russischen oder meinetwegen auch mandalorianischen Freunde: Anstatt in einem Jahr drei Platten mit diesem Niveau herauszuhauen, hätte es vielleicht eine vernünftig produzierte gemacht. Der Sound ist einfach grauenhaft, Drums und Bass hört man so gut wie gar nicht, und den besten Klang hat der LKW, der gerade an meiner Behausung vorbeifährt. Wer auf diese schrottigen Demos aus den frühen bis mittleren Neunzigern abfährt, und Worte wie „Soundqualität“, „sauberer Klang“ und „Produktion“ für schlimme, zu vermeidende Erkrankungen hält, kann sich dieses Gehöranaesthetikum gerne mal auf die Festplatte ziehen. Das Songmaterial wäre ja okay, aber der Sound und das Geschwindel gibt auffe Fresse, Politesse. Ich brauche jetzt ein Bier.

Anspieltipp:  „الهمس من الرمال“


Bewertung: 2,0 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. أحلم الجني
02. الهمس من الرمال




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