CD-Reviews W-Z

ZEIT – Betonkrebs (2021)

(6.917) Schaacki (8,2/10) Grindcore


Label: DIY
VÖ: 26.03.2021
Stil: Grindcore

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Wahrscheinlich spreche ich vielen Menschen aus der Seele, wenn ich sage, dass wir momentan wirklich in verrückten Zeiten leben. Und verrückt sind scheinbar auch die Leipziger ZEIT. Damit will ich nicht sagen, dass das Trio plötzlich den Verstand verloren hat, sondern ich beziehe mich auf den Ursprung des Wortes „verrückt“ – also jenseits bekannter Spuren fahren, von der üblichen Norm abweichen. Denn auch wenn ich schon in Bezug auf frühere Veröffentlichungen der Sachsen schrieb, sie seien in keine Schublade zu stecken, so setzen sie dem nun die Krone auf. Wo der letzte Output noch dunkel und schwerfüßig zwischen Black Metal, Sludge und Doom umherkroch, setzt der Dreier nun auf kurze und knappe Kampfansagen im Grind Stil. Während auf dem Vorgänger „Drangsal“ der kürzeste Song ca. fünfeinhalb Minuten betrug, ist der Titel „Stillgestanden“ mit seinen 2:27 Minuten ein echter Ausnahmefall, bewegen sich die restlichen 23 (!) Tracks doch alle eher an der 1-Minuten-Marke. ZEIT sind ganz offensichtlich von vielen (aktuellen) Geschehnissen mächtig angefressen und möchten zu vielen Themen ordentlich Dampf ablassen.

So beginnen sie, sich über den stetigen Leistungsdruck auszukotzen („New Work Order“), drücken ihren Unmut über das Leben in der Kapitalgesellschaft aus und was sie von Überwachung durch höhere Gewalten halten. Einen kleinen Schmunzler verleiht bei all dem die kleine Hommage an das heimische Sternburg-Bier („Merke Dir!“). Doch dieses Stück ist eher eine Ausnahme, danach geht es weiter mit dem Kampf gegen Lügen, Verschwörer und Umweltvergewaltiger. So kriegt zum Beispiel der Nestle-Konzern genauso auf den Sack wie auch Verschwörungstheoretiker, die sich mit Anne Frank und Sophie Scholl gleichstellen wollen. Gut so!
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Auch wenn der Sound genre-passend rumpelig ist, ist er dennoch nicht mies. Ok, eine Hochglanzproduktion braucht man nun nicht erwarten, aber das würde, ehrlich gesagt, dem lyrischen Inhalt auch irgendwie widersprechen. So gesehen darf man quasi sagen, ist der Klang ebenso ehrlich und direkt wie die Texte der 23 (+1 Instrumentalstück) Kompositionen. Zudem ist zu erwähnen, dass ZEIT auch immer wieder etwas Abwechslung einbringen, in dem sie auffällige, teils genre-untypische Momente einbauen, die den Hörer immer mal wieder aufmerksam machen. Es wird also nicht in einem Trott stumpf von vorn nach hinten durchgeballert – auch wenn der Druck stets präsent bleibt.

Letztlich bleibt wohl die Frage stehen, wem man ZEITs neusten Streich empfehlen darf. Wo „Drangsal“ noch verschiedene Spaten einte, wird „Betonkrebs“ nun wohl eher eine andere Fraktion ansprechen. Ihre Fans werden die Leipziger zwar eher nicht vergraulen, aber sie stellen diese eben auch vor eine kleine Aufgabe. Auf jeden Fall denke ich, dass, wenn eines Tages wieder Konzerte stattfinden dürfen, die Sets von ZEIT durchaus von der Mischung aus älteren, zäheren Nummern und diesen kurzen, aggressiven Einsprengseln profitieren werden. Also nochmal: Für wen ist „Betonkrebs“? Antwort: Für all jene, die von der „endlosen menschlichen Dummheit, die den ganzen Planeten vergiftet,“ (Zitat ZEIT) die Schnauze voll haben und einen Soundtrack zum Auskotzen brauchen!

Anspieltipps: „Stillgestanden“ und „Stumpf“


Bewertung: 8,2 von 10 Punkten


 

Tracklist:01. New Work Order
02. Überwachungskapital
03. Stillgestanden
04. Wer Bewacht Die Wächter
05. Kosmische Pessimisten
06. Zwischen Nichts Und Wenig
07. Strukturelle Probleme
08. Merke Dir
09. Schwarzlichtviertel
10. Terror Management Theory
11. Cis Scum Must Die
12. nsomnia
13. Stumpf
14. Blass
15. Democracy Is For The Weak
16. Die Klöckner im Néstle-Darm
17. Das Große Fressen
18. Triebtäter
19. Profit Loss Ratio
19. Technische Ratten
20. Lungenbrand
21. Junkfood
22. Knochenmehl
23. 420247




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