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ZO Questions and Answers: PLAN NINE & AYREON

Arjen Lucassen & Robert Soeterboek im Gespräch mit Jörn



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Als eingefleischter AYREON-Fan habe ich gerade eine wirklich tolle Zeit. Im Mai erschien mit „01011001 – Live Beneath The Waves“ nicht nur die Live-Nachlese des letztjährigen Hammerkonzerts, sondern zeitgleich auch noch das Debütalbum des neuen Sideprojekts LUCASSEN & SOETERBOEK’S PLAN NINE, das zwar mehr als 30 Jahre brauchte, um endlich fertiggestellt zu werden, sich im Endeffekt jedoch als ein rundum fantastisches Album erwies. Der dazugehörige Auftritt im Rahmen der Releaseparty des Albums war ebenfalls ein ganz besonderes Erlebnis. Zu all diesen Sachen hatte ich die Gelegenheit, mit den beiden unglaublich sympathischen kreativen Köpfen hinter diesen beiden Releases, Arjen Anthony Lucassen und Robert Soeterboek, ausführlich in einem langen, aber absolut kurzweiligen Interview ausgiebig zu sprechen.

Gratulation, meine Herren! Soweit ich weiß, hielt „Chinese Democracy“ von GUNS N‘ ROSES mit 14 Jahren bislang den Rekord für das Album, das am längsten brauchte, bis es veröffentlicht wurde. Dieser Rekord wurde mit der Veröffentlichung von PLAN NINEs „The Long-Lost Songs“ nun pulverisiert.

Arjen: Das kann man so sagen. Ich wünschte, wir hätten auch deren Verkaufszahlen. (lacht)

Aber euer Album hat sich in eurem Heimatland auch durchaus recht hoch in den Charts platzieren können.

A
rjen: Ja, das stimmt. Es hat es auf Anhieb auf Platz drei geschafft.

Das kann sich doch sehen lassen. Wie fühlt es sich denn an, jetzt, wo das Album endlich draußen ist?

Robert: Ich bin extrem glücklich. Es hätte nicht besser laufen können. Die Reaktionen auf das Album waren alle durchweg positiv. Und die Nachfrage danach ist nach wie vor sehr groß. Meistens werde ich auch direkt gefragt, wann denn das nächste Album kommt. Was ja ein sehr gutes Zeichen ist.

Arjen: Was mir an dem Album so gefällt, ist, dass es einen eigenständigen Sound hat. Und dass, obwohl jeder der Songs eine ganz eigene Note hat. Das Schwierigste ist, alles zu vereinen, damit man es sich hinterher auch gut in Gänze anhören kann. Das ist uns ziemlich gut gelungen, wie ich finde.

Absolut. Viele Songs haben zwar einen unterschiedlichen Fokus, aber es gibt trotzdem einen roten Faden.

Arjen: Ganz genau. Was auch daran liegt, dass Robert alle Songs singt. Das ist ein Faktor, der alles gut zusammenhält. Aber trotzdem war es nicht leicht, die richtigen Singles auszuwählen. Denn es gibt nicht diesen einen Song, der repräsentativ für das gesamte Album stehen würde. 

Letztlich habt ihr euch für „Before The Morning Comes” und “Ice On Fire” als Singles entschieden. Wie kam es dazu?

Arjen: “Before The Morning Comes” war für mich von Anfang an klar die erste Single des Albums. Denn für mich ist das mit Abstand der stärkste Song der Platte. Als ich ihn letztens bei der Release-Show in Zoetermeer live gehört habe, hat sich das noch einmal für mich bestätigt. Ich bin dabei beinahe in Tränen ausgebrochen, vor allem, weil Robert ihn so toll gesungen hat. Das Label war allerdings zunächst dagegen. Sie sagten, dass man nie als erstes eine Ballade veröffentlichen sollte. Aber uns war das egal. Für die zweite Single überließen wir ihnen dann die Entscheidung. Ich mache das normalerweise nicht so gerne, aber dieses Mal konnte ich mich selbst einfach nicht entscheiden.

Robert: Ich glaube dadurch, dass „Ice On Fire“ sich so sehr von der ersten Single unterscheidet, gibt es einen guten Hinweis darauf, dass das Album so viel Unterschiedliches zu bieten hat. Von daher kann ich die Entscheidung des Labels auch gut nachvollziehen.

„Ice On Fire“ ist aber auch so unglaublich catchy, ohne dabei irgendwie flach zu sein.

Arjen: Ja, das stimmt. Das spielte sicherlich auch eine Rolle.

Ich war sofort von dem Song angetan. Irgendwie erinnerte mich die Art, wie die Melodie aufgebaut wurde, an alte AYREON-Alben, wie zum Beispiel an „Actual Fantasy“, das meiner Meinung nach eh viel zu selten gewürdigt wird. Damals gab es noch häufiger für sich eigenständigere Songs, bei denen vor allem viele großartige Refrains dabei waren.

Arjen: Ja, das kann gut sein. Gerade das Album hatte ja auch keine große zusammenhängende Story.

Aber generell findet man bei PLAN NINE viele Trademarks, die ganz klar zeigen, dass die Songs aus eurer Feder stammen. Zum Beispiel wie die weiblichen Stimmen eingesetzt und arrangiert wurden. Und das Riff von „Get Down To Bizniz“ hätte so auch vom AYREON-Album „The Source“ stammen können. Aber es wurden ja auch einige Ideen, die ursprünglich für PLAN NINE geschrieben wurden, schon bei AYREON verwendet, richtig? In den Liner-Notes des Compilation-Albums „Ayreonauts Only“ von 2000 wird PLAN NINE jedenfalls bereits erwähnt.

Arjen: Genau. „Carpe Diem“ heißt der Track, den du ansprichst. Das war der alte Name des Songs. Er wurde dann als „Chaos“ auf „Flight Of The Migrator“ verwendet. Aber das hätte stilistisch auch wirklich nicht auf „The Long-Lost Songs“ gepasst. Das wäre viel zu anders.

Und Teile des Riffs und der Melodie von „Long Cold Night” kenne ich in leicht anderer Version auch bereits von einem AYREON-Song.

Robert: Das stimmt. Die Melodie singe ich bei „To The Solar System“ (ebenfalls auf „Flight Of The Migrator“, Amn.)

Es macht rückblickend ja auch durchaus Sinn, dass ihr einige Ideen zwischenzeitlich schon an anderen Stellen verwendet habt. Ihr wusstet ja nicht, ob ihr überhaupt noch einmal zu PLAN NINE zurückkehren würdet. Hattet ihr denn jetzt noch genug Material für das Album übrig oder musstet ihr noch viel neu komponieren, um die Lücken zu füllen?

Arjen: Ich würde sagen, dass gut zwanzig Prozent neue Sachen sind. Das sind aber häufig eher ein paar Textzeilen. Außerdem wurden die Songs teilweise neu zusammengesetzt. Das war aber auch notwendig, denn die ursprünglichen Demo-Versionen bestanden oftmals nur aus einer einzigen Textzeile oder einer Strophe. Die Demos sind auf der zweiten CD des Albums ja auch mit drauf. Da kann man gut sehen, wie sich die Ideen entwickelt haben. „Before The Morning Comes“ hatte da zum Beispiel auch noch einen ganz anderen Namen. Wir haben allem jetzt ein ordentliches Facelifting verpasst.

Robert: Das ist aber auch sowieso unsere Art Musik zu schreiben. Wir fangen mit einer Strophe oder einem Refrain an. Und dann gehen wir meist schon zur nächsten Idee weiter. Wenn du das später tausende Mal angehört hast, weißt du, was gut genug ist, um daraus dann im Anschluss einen richtigen Song zu formen.

So kenne ich es auch, wenn man Songs schreibt. Man hat anfangs eine Idee, weiß aber im Vorfeld nie, wohin sich diese entwickeln wird. Manchmal kommt dann etwas ganz anderes dabei heraus, als man zu Beginn selbst dachte.

Arjen: Ganz genau. Ich bin leider keines dieser Genies, die sich mal eben einen ganzen Song aus dem Ärmel schütteln oder vielleicht sogar erst im Studio spontan einen Song schreiben. DEEP PURPLEhaben das zum Beispiel oft so gemacht. Das könnte ich niemals. Ich arbeite wochenlang an Ideen, verändere sie dabei, schiebe sie in andere Songs und so weiter. Meist ist danach von der ursprünglichen Idee auch kaum noch etwas übrig. (lacht) Ich weiß wirklich nicht, wie andere Bands so arbeiten können.

Vielleicht liegt es auch einfach daran, welche Art von Musik man macht. Robert, du hast ja zum Beispiel des Öfteren schon in Bands gespielt, die Classic Rock gespielt haben. War das dort anders?

Robert: Es kommt glaube ich einfach darauf an, welche Art von Songwriter man ist. In den anderen Bands war ich ja meistens einfach der Sänger. Dort sollte ich dann in der Regel das singen, was der Gitarrist geschrieben hatte. Hier bei PLAN NINE war es anders. Hier hatten Arjen und ich zusammen die Musik gemacht, auf die wir Lust hatten und die wir damals fühlten. Ganz ohne kommerzielle Hintergedanken oder irgendwelche anderen einschränkenden Vorsätze. Es ging eher darum, ob eine Idee aus unserer Sicht gut ist oder nicht. Ich würde mich zwar nicht als guten Gitarristen beschreiben, aber ich kann trotzdem Gitarrenparts für Songs schreiben. Ich spiele zwar dann nicht die Demos ein, sondern mache das mit Hilfe eines Computers oder anderen Musikern. Bei PLAN NINE konnte ich mit meiner Stimme alles so machen, wie ich es wollte. Ganz ohne Grenzen. Und genau so mag ich es. Immer etwas anderes ausprobieren. So bleibt es auch für einen selbst immer frisch. Und die Musik von PLAN NINE, so, wie sie jetzt auf dem Album ist, ist einfach Musik, wie ich sie liebe.

Arjen: Jeder, der Robert erlebt hat, wie er die Songs jetzt live gesungen hat, konnte das auch nochmal ganz deutlich sehen. Das ist einfach total sein Ding. Die ganze Halle lag ihm regelrecht zu Füßen.

Das stimmt. Man merkt zu jeder Sekunde, wie viel Leidenschaft und Liebe zum Detail in PLAN NINE drinsteckt. Schließlich habt ihr dem Album ja auch noch mit der Wild-West-Ästhetik ein umfassendes Konzept verpasst. Einerseits passt das gut zur Musik, da in den Songs auch eine gehörige Portion Western, Southern und Blues drinsteckt. Gleichzeitig nehmt ihr das Konzept auch visuell mit auf. Beim Stagedesign zum Beispiel. Und es kam es mir so vor, dass ihr mit Doctor Robert noch einen richtigen Charakter erschaffen habt. So eine Art umherwandernden Wild-West-Wunderheiler, der von Robert perfekt auf der Bühne verkörpert wurde.

Robert: Ja, das steckt einfach in mir drin. Genau wie bei Arjen auch. Bei deinem Beispiel habe ich mich selbst im Vorfeld als J.R. Ewing aus Dallas vorgestellt und das dann auf der Bühne voll ausgelebt. Dadurch wird so etwas auch lebendig. Das macht mir unglaublich Spaß.

Das konnte man wirklich sehen. Du hast dir ja auch noch viel mehr einfallen lassen. Speziell gedruckte Dollarscheine wurden passend zu „Get Down To Bizniz“ ins Publikum geschmissen, und die ganze Bühne war wie ein Saloon eingerichtet.

Robert: Ja, mein Kopf ist immer voll mit solchen Ideen. Und ich weiß, dass wir beim nächsten Mal noch viel mehr davon haben werden. Ich konnte vieles jetzt noch gar nicht umsetzen. Dafür war die Bühne zu klein. (lacht).

Da bin ich ja mal gespannt.

Robert: Mittlerweile gehört so etwas aber auch dazu. Und alle haben super mitgezogen. Auch die Sängerinnen hatten sich viele Gedanken über ihre Bühnenperformance gemacht. Die Leute wollen heutzutage nicht mehr einfach nur vier Typen sehen, die Musik machen. Es ist viel mehr Theater dabei. Man muss eine besondere Performance bieten. Dann gehen die Leute hinterher nach Hause und sagen: „Wow, das war etwas ganz anderes“. Und das bleibt dann auch in Erinnerung. Selbst Bands wie KISS konnten mich mit ihrer Show beim letzten Mal noch total begeistern. Auch wenn sie zuletzt musikalisch nicht mehr so gut waren wie früher.

Das sehe ich ganz genauso. Es ist mir zwar schon immer noch wichtig, mich auch mit der Musik verbunden zu fühlen. Aber die visuellen Aspekte können richtig eingesetzt das Erlebnis dann noch einmal auf ein anderes Level anheben. Ich muss zugeben, dass ich im Vorfeld des Konzertes noch nicht wirklich wusste, was mich erwarten würde. Arjen, du hattest ja schließlich mittlerweile schon eine ganze Menge Nebenprojekte, von denen es außer von GENTLE STORM oder STAR ONE eigentlich nie Live-Konzerte gab. Aber dadurch, dass es so viele liebevolle Details gab, wirkte PLAN NINE fast schon wie eine lang etablierte Band, die es schon seit zwanzig Jahren geben würde.

Arjen: Das liegt aber auch daran, dass es sich bei den Musikern um von Robert handverlesene Leute handelt, die die Musik auch alle sehr mögen. Was sehr wichtig ist, denn wenn sie nicht mit dem Herz bei der Sache sind, bringt es auch nichts, wenn sie nur gut spielen können. Und er hat bei der Auswahl wirklich genau die richtigen Musiker gefunden, die alle außerdem noch sehr tolle Menschen sind.

Einige der Musiker waren ja auch alte Bekannte, richtig? Mit eurem Keyboarder zum Beispiel hast du vorher schon bei PURPLE SHADE gespielt, oder Robert?

Robert: Das stimmt. Aber ich kenne ihn sogar noch länger. Ich hatte zuvor für ein paar Auftritte in einer WHITESNAKE-Coverband mit ihm gespielt. Hinterher hatten wir aus Spaß dann irgendwann ein paar DEEP-PURPLE-Songs gespielt, weil wir, wie Arjen übrigens auch, alle so große Purple-Fans sind. Wir haben dann sogar recht viele Shows damit gespielt. Da war unter anderem auch noch Rob van der Loo von EPICA mit dabei. Aber nach einer Weile war ich damit auch wieder durch. Ich bin einfach kein Tribut-Band-Sänger. Es gibt sehr viele Tribut-Bands in Holland. Sogar eine richtige Szene. Ganz verrückt. Eine ganz eigene Welt. Aber auch wenn ich das hin und wieder mal mache, auf Dauer ist das nichts für mich.

Das kann ich verstehen. Schließlich kann man in einer Tribut-Band seine eigene Kreativität auch nicht ausleben.

Robert: Exakt. Ich brauche das einfach. Ich möchte viel lieber meine eigenen Ideen erforschen und denen nachgehen.

Ein weiterer Musiker, mit dem ihr schon vorher zusammengearbeitet habt, ist eurer Gitarrist Marcel Singor, den ich zum Beispiel schon von den AYREON-Shows zu „Into The Electric Castle“ her kannte.

Arjen: Genau.

Robert: Das gute an Marcel und den anderen ist, dass sie selbst hören, wann etwas richtig gut ist. Man muss es ihnen nicht sagen. Das ist viel wert. Arjen und ich sind da auch wieder komplett gleich. Uns reicht es nicht, wenn etwas nur gut ist. Wenn es noch besser geht, soll es auch noch besser werden. Und die Musiker aus unserer Band verstehen sofort, was wir damit meinen.

Euch scheinen aber auch nie die guten Musiker auszugehen. Gibt es davon bei euch in Holland einfach so viele? Immerhin wechseln auch bei den AYREON-Shows immer mal die Bandmitglieder, und es kommen jedes Mal wieder unglaublich gute neue Leute dazu.

Arjen: Ja, das stimmt schon. Wir haben hier wirklich großes Glück. Timo Somers zum Beispiel, der jetzt für die „01011001“-Shows dazu kam, ist so dermaßen gut, das ist schon beängstigend. Mit ihm möchte ich ab jetzt immer und immer wieder zusammenarbeiten. Wobei ich aber auch sagen würde, dass ich jetzt meine finale AYREON-Band gefunden habe. Das sind einfach die besten Musiker, die ich mir dafür vorstellen könnte. Die Sänger und Sängerinnen werden sicherlich immer mal wieder wechseln, aber ich denke nicht, dass ich die Band noch einmal verändern werde.

Robert: Wir haben hier einen Kreis an guten Musikern. Und dieser Kreis wird immer größer. Das schwierige ist nur, dass sich viele von ihnen einfach nicht verkaufen können und oftmals zuhause verstecken, obwohl sie teilweise richtig gut sind. Würde Arjen nicht immer regelmäßig Ausschau nach neuen Talenten halten, würden viele von ihnen sicherlich unentdeckt bleiben. Mir ist das auch immer wichtig. Neue Talente finden und diese dann zu fördern.

Was mir bei der PLAN-NINE-Release-Show aufgefallen ist, waren die vielen Leute mit AYREON-Shirts, die sich im Publikum befanden. Das war natürlich nicht überraschend. Aber ich denke, dass viele von ihnen vielleicht darauf gehofft haben, auch den ein oder anderen AYREON-Song zu hören. Immerhin hat PLAN NINE ja erst ein Album mit 45 Minuten Musik veröffentlicht. Das reicht ja nicht gleich für ein Headliner-Set. Letztendlich habt ihr aber keinen AYREON-Song gespielt. War das eine bewusste Entscheidung? Hattet ihr überhaupt einmal darüber nachgedacht?

Arjen: Gute Frage, das würde mich auch interessieren. (lacht)

Robert: Nein, das hatten wir überhaupt nicht vor. Die AYREON-Songs sind auch einfach ganz anders und hätten überhaupt nicht gepasst.

Ich fand das auch genau richtig. Stattdessen habt ihr das Set mit den zwei Bonus-Tracks der Doppel-CD-Edition eures Albums gefüllt, die meiner Meinung nach qualitativ den Songs, die auf dem regulären Album gelandet sind, in nichts nachstehen, sowie ein paar Coversongs, unter anderem von LYNYRD SKYNYRD, die letztlich auch viel besser zur Musik von PLAN NINE passten.

Robert: Vielleicht hätten wir einen STAR-ONE-Song spielen können. Die kommen erfahrungsgemäß auch immer gut an, gerade live. Da wären die Leute sicher durchgedreht. Aber ich wollte den Fokus ganz bewusst nur auf PLAN NINE legen.

Gibt es schon Pläne, eine weitere Platte zu machen? Es wäre ja wirklich schade, wenn es bei all der detailverliebten Arbeit, die ihr in PLAN NINE investiert, nur bei einer einmaligen Sache bleiben würde.

Robert: Ich kann mir das durchaus vorstellen. Dann würde es auch hoffentlich nicht wieder 30 Jahre dauern. (lacht) Aber ich weiß auch, dass Arjen schon wieder mit der Planung von anderen Sachen begonnen hat, die er als nächstes angehen möchte. Vielleicht auch mal wieder etwas für ihn selbst. Was ich auch absolut verstehen kann. Schließlich hat er jetzt in einem Jahr an drei Sachen gleichzeitig gearbeitet. Ich habe zwar zuletzt mit unserem Gitarristen Marcel an einigen neuen Songs für ein Album gearbeitet. Er ist auch wirklich ein sehr guter Songwriter. Aber ich bin mir nicht sicher, ob die Songs auch zu PLAN NINE passen würden. Ich werde ihn demnächst mal fragen, ob er daran interessiert ist, etwas im Stil von PLAN NINE zu schreiben. Mit mir, aber vor allem auch mit Arjen. Denn eins steht fest: Arjen muss auf jeden Fall in irgendeiner Art involviert sein. Sei es als Produzent, oder als Arrangeur. Wir müssen einfach mal sehen, wann wir alle dafür Zeit finden können. Ich würde es mir aber auf jeden Fall wünschen.

Hättet ihr denn noch Material von früher, mit dem ihr ein zweites Album angehen könntet?

Robert: Das kann gut sein. Arjen hatte mir in Vorbereitung auf das Album unglaublich viele CDs und Kassetten mit Demos aus den ersten Tagen von PLAN NINE geschickt. Das war so viel, das konnte ich mir gar nicht alles anhören. (lacht)

Aber wie ist es denn überhaupt dazu gekommen, dass du, Arjen, jetzt erneut ein Album veröffentlicht hast, das sich thematisch mit der Vergangenheit beschäftigt? In der Musik von PLAN NINE sind ja einige Elemente aus früheren Zeiten enthalten. Und davor ging es  bei SUPERSONIC REVOLUTION vor allem textlich und die gute alte Zeit. Ich hatte nämlich eigentlich immer von dir gehört, dass du viel lieber nach vorne schaust, statt zurück. Woher der Sinneswandel?

Arjen: Da hast du Recht. Eigentlich hasse ich es, mich mit zurückliegenden Sachen zu befassen. Aber Robert hatte mich gefragt, ob wir nicht trotzdem einen PLAN NINE-Song aufnehmen wollen. Er musste mich schon etwas überreden, denn damals hatte das alles zu nichts geführt. Wir bekamen keinen Plattenvertrag und so weiter. Aber letztlich haben wir uns dann an den Song „Annie Moore“ herangewagt und auch die alte Band noch einmal mit einbezogen. Und es hat auf einmal so viel Spaß gemacht. Und es klang so gut. Roberts Stimme ist in den letzten 30 Jahren auch einfach viel besser geworden. Und dann haben wir immer weiter gemacht. Aber es war wirklich nicht geplant.

Robert: Das Arbeiten an den alten Songs bringt einen aber auch wieder zurück in diese Zeit. Und da haben wir auch viele gute Erinnerungen dran.

Arjen: Ja, das stimmt.

Robert: Und auch wenn wir heute nicht mehr wie die jungen Ausgaben von uns aussehen, fühlten wir uns doch wieder ein wenig so. (lacht)

Gibt es denn Pläne, mit PLAN NINE auch für ein paar Termine nach Deutschland zu kommen? Bislang sind ja nur Auftritte in Holland angekündigt.

Robert: An sich würde ich das gerne machen. Ich habe auch noch ein paar sehr gute Kontakte nach Karlsruhe, weil ich dort früher sehr oft war. Das war damals, als ich bei WICKED SENSATION spielte. Es müsste einfach der richtige Rahmen gefunden werden. Vielleicht mit einer anderen Band zusammen. Denn schließlich soll die Halle ja auch gut gefüllt sein. (lacht)

Die Bühne werdet ihr auf jeden Fall ohne Probleme füllen können, wenn ihr mit eurer gut zehnköpfigen Band dort aufkreuzt.

Robert: Haha, das stimmt. Vielleicht machen wir es dann einfach andersherum, stellen die Band in den Innenraum und das Publikum auf die Bühne.

Aber es ist natürlich auch recht aufwendig, wenn ihr mit eurer gesamten Dekoration und allem drum herum reisen müsst.

Robert: Genau. Jetzt bin ich erst einmal froh, dass wir die Shows in Holland machen können. Denn das hilft dabei, dass wir als Band noch besser werden. Beim ersten Auftritt sind mir schon noch ein paar Sachen aufgefallen, die besser hätten laufen können. Aber das ist ja auch ganz normal. Denn wir haben im Vorfeld nur gut vier Mal proben können. Jetzt sind erst einmal acht Shows fest geplant und ich arbeite noch an zwei weiteren. Danach wird es dann auch Zeit, in anderen Ländern zu spielen. Aber das will alles gut geplant sein. Denn viele in der Band haben auch Kinder und noch andere Jobs. Aber zumindest sind alle bereit, mitzuziehen.

Dann lass uns doch auch noch einmal über AYREON sprechen. Vor fünf Jahren gab es zum ersten Mal ein AYREON-Konzert. Nun wurde eine neue Live-DVD/Bluray veröffentlicht, auf der nun das dritte AYREON-Konzertwochenende verewigt wurde, bei dem ihr dieses Mal als Schwerpunkt das Album „01011001“ aus dem Jahr 2008 am Stück gespielt hattet. Hättest du je gedacht, dass sich diese Wochenenden zu einem wiederkehrenden Event entwickeln würden?

Arjen: Nein, überhaupt nicht. Wir hatten das erste Konzert ja auch als eine Once-In-A-Lifetime-Sache angepriesen. Und so haben wir es auch damals wirklich gemeint.

Du hattest ja auch früher immer gesagt, dass zu AYREON-Shows auch eine riesige Bühne wie zum Beispiel bei PINK FLOYDs „The Wall“-Konzerten nötig wäre, um überhaupt einen passenden Rahmen zu haben, mit dem du zufrieden wärest. Auch wenn eure Konzerte jetzt noch keine Stadiondimensionen erreicht haben, bist du aber trotzdem zufrieden, oder?

Arjen: Oh ja. Absolut. Ich liebe die Venue (das 013 in Tilburg, Amn.). Dort passen 3000 Leute rein. Es ist also schon recht groß, aber es gibt trotzdem immer noch eine gewisse Intimität, sodass auch ein Austausch mit dem Publikum stattfinden kann. Und das macht die Shows auch so besonders für mich. Ich möchte es daher auch gar nicht mehr größer haben.

Das stimmt, diese Intimität ist tatsächlich spürbar. Und ihr habt ja trotzdem von Mal zu Mal mehr auf die Beine gestellt. Beim ersten Mal war es noch eine relativ klassische Rock-Show, mit großer LED-Leinwand und Pyros. Als ihr dann beim zweiten Mal „Into The Electric Castle“ live gespielt habt, gab es ein riesiges konzeptionelles Bühnenbild. Und dieses Mal kamen unter anderem Laser hinzu.

Arjen: Ja. Aber mehr ist jetzt auch nicht mehr möglich. Wir hatten zuletzt die Bühne bis auf den letzten Zentimeter ausgenutzt. (lacht). Und da ich aus dem 013 auch nicht woanders hin wechseln möchte, muss es beim nächsten Mal, sollten wir das machen, eben eher anders statt größer werden.

Ihr hattet jetzt auch zum ersten Mal einen aufwendigen Dolby-Surround-Sound in der Halle.  Wie kam das an?

Arjen: Ehrlich gesagt würde ich das nicht noch einmal machen. Denn es hat leider nicht richtig gewirkt. Es war unglaublich viel Arbeit. Wir hatten über 40 Lautsprecher in der Halle. Aber es kam im Endeffekt sehr darauf an, wo man stand. Manche haben mir hinterher gesagt, dass sie davon gar nichts bemerkt hatten. Und dafür ist es dann doch zu teuer und zu aufwendig.

Zuvor gab es mit „The Theater-Equation“ ja bereits eine Theaterversion deines Albums „The Human Equation“. Wie ich gehört hatte, warst du damals nicht so wirklich zufrieden damit, aber auch nicht so sehr in die Produktion involviert, richtig?

Arjen: Ja, das lief leider nicht so gut. Insgesamt war ich auch fast gar nicht beteiligt. Die Musiker und auch die Sänger waren großartig, aber davon abgesehen war „The Theater Equation“ leider ein ziemliches Durcheinander. Und obwohl die drei oder vier Shows komplett ausverkauft waren, ist finanziell so gut wie nichts übriggeblieben. Und auch die Kamera-Crew war wirklich schrecklich. Ich musste im Nachhinein unglaublich viel nachbearbeiten.

Trotzdem war es so etwas wie der Startschuss für die Idee zu den AYREON-Shows, wie wir sie jetzt kennen.

Arjen: Das stimmt. Wir haben gemerkt, dass das Interesse, AYREON-Songs Live zu hören, sehr groß ist. Und die Leute waren von „The Theater Equation“ auch trotz aller Probleme total begeistert. Daher dachte ich, wenn es ihnen jetzt schon so gefallen hat, dann lasst es uns richtig gut machen. Und auch wenn es nicht mein Ding ist, live zu spielen, wie jeder mittlerweile wissen dürfte, musste ich das einfach machen.

Und jetzt bist du komplett in alles involviert?

Arjen: Wir haben jetzt ein riesiges Team. An einer Show arbeiten über 100 Personen für über ein Jahr. Aber ich bin ein Egomane und ziemlicher Kontrollfreak (lacht). Daher sind die Ideen immer meine eigenen. Ich entscheide zum Beispiel alles, was das Bühnenkonzept angeht, ich wähle die Sänger und die Musiker aus, und so weiter. Aber dann übernimmt Joost van den Broek (unter anderem auch der Live-Keyboarder, Anm.) und sorgt dafür, dass alles perfekt umgesetzt wird. Und er hat auch immer selbst richtig gute Ideen, mit denen er sich einbringt. Er ist einer von der Sorte Mensch, die einfach alles können. Das ist ganz schön nervig. (lacht) Nein, das war ein Scherz. Ohne ihn würde das alles nicht funktionieren.

Wie vorhin schon einmal gesagt, wächst die AYREON-Familie ja immer weiter. Es kommen immer mehr Musiker, Sänger und Sängerinnen hinzu. Mittlerweile musst du dann ja sicher auch öfters viele von ihnen enttäuschen, da du ja nicht immer alle bei jedem Projekt unterbringen kannst.

Arjen: Das ist leider unumgänglich. Und es ist jedes Mal wirklich hart für mich, ihnen mitzuteilen, dass sie nicht dabei sind. Es liegt ja auch nie daran, dass sie nicht gut genug wären, sondern einfach, weil sie nicht zur nächsten Show passen. Bei „01011001“ sollten natürlich hauptsächlich die ursprünglichen Sänger und Sängerinnen dabei sein, daher waren dann automatisch schon viele Plätze vergeben. Ich hasse es immer, Leuten abzusagen. Darum mache ich diese Anrufe immer alle an einem Tag, sonst hätte ich viele schlaflose Nächte. (lacht)

Wie ist das für dich, Robert? Das müsste dich ja auch schon ein paar Mal betroffen haben.

Robert: Ja, aber das ist für mich gar kein Problem. Ich verstehe Arjens Entscheidungen auch jedes Mal. Er kann ja nicht immer das gleiche machen. Und auch das Publikum erwartet immer etwas anderes. Ich selbst freue mich dann immer, wenn ich gute Sänger und Sängerinnen sehe oder neu entdecke. Schau dir zum Beispiel an, wie großartig Brittney Slayes (Sängerin bei UNLEASH THE ARCHERS, Anm.) war. Das war mir schon vorher beim letzten STAR-ONE-Album aufgefallen. Aber sie dann jetzt live zu sehen, war unglaublich. Man muss einfach auch immer wieder junge und neue Leute dazuholen. Die Leute wollen ja nicht ewig nur alte Säcke wie mich sehen (lacht). Obwohl in mir auch noch eine ganze Menge Energie steckt.

Arjen und du, ihr seid also noch gute Freunde? (lacht)

Robert: Na klar. Ich bin wirklich stolz darauf, was wir gemeinsam geschaffen haben. Aber ich freue mich auch für ihn, wenn er einmal ohne mich etwas macht. Ich bin ja trotzdem immer da, auch wenn ich nicht mit auf der Bühne bin. Ich will nichts verpassen. Ich gehöre zwar eher zum klassischen AYREON, aber das löst bei vielen Leuten dann schon fast nostalgische Gefühle aus. Das merke ich immer, wenn ich bei den AYREON-Shows vorher draußen herumlaufe und viele Leute Fotos mit mir machen möchten oder Autogrammwünsche haben. Ich liebe das. Ich habe Arjen und AYREON auch einfach selbst viel zu verdanken.

Dann zum Ende natürlich noch die obligatorische Frage: Was sind eure nächsten Projekte? Robert, bei dir steht ja einiges an. Und nicht nur die PLAN-NINE-Shows, richtig?

Robert: Genau. Ich habe viele verschiedene Sachen in der Pipeline. Im Oktober werden wir auch etwas davon bekanntgeben. Die Verträge sind schon geschlossen und das wird mein großes Abenteuer für nächstes Jahr. Da freue ich mich schon sehr drauf. Aber bis dahin habe ich ja noch viel mit PLAN NINE vor und schreibe auch wie erwähnt schon an neuen Songs. Und das ist das eigentlich spannende für mich.

Das klingt auf jeden Fall sehr vielversprechend. Arjen, bei dir dürfte die nächste große Sache das Soloalbum für Simone Simons (EPICA) sein, das du für sie geschrieben hast und das demnächst erscheint. Bist du da denn noch involviert, jetzt, wo es angekündigt wurde und es ja auch schon erste Singles gibt? Oder überlässt du Simone jetzt die weitere Arbeit?

Arjen: (lacht). Eigentlich sollte ich sie das jetzt allein machen lassen. Aber, wie gesagt, ich bin ein Kontrollfreak und daher auch jetzt immer noch im engen Austausch mit ihr und ihrem Management. Jedes Mal, wenn ich mir vornehme, mich nicht mehr einzumischen, kann ich es doch wieder nicht lassen. Wenn ich zum Beispiel Ideen für die Videoclips habe, versuche ich diese auch einzubringen. Wahrscheinlich gehe ich allen damit auch ordentlich auf die Nerven (lacht). Aber ich habe an dem Album ein ganzes Jahr gearbeitet und es ist mir daher auch wirklich wichtig. Ich habe alles gegeben, damit sie ein tolles Album bekommt. Es freut mich daher, dass die Sachen bisher so gut ankommen. Manche Clips haben bereits über eine Millionen Aufrufe bei YouTube. Verrückt.

Du sagst immer, dass du normalerweise nach Fertigstellung eines Albums oder Projekts erst einmal in ein kreatives Loch fällst. Ist das gerade wieder der Fall?

Arjen: Ja, gerade bin ich komplett leer. Es war ja nicht nur das Album für Simone. Ich habe gleichzeitig an PLAN NINE gearbeitet.

Robert: Wir sind aber auch immer sehr detailversessen. Als es um das Video zu „Before The Morning Comes” ging, haben wir tagelang über die kleinsten Kleinigkeiten diskutiert und unglaublich viel Zeit investiert. Ich kann übrigens auch ein ganz schöner Kontrollfreak sein. Zwar nicht ganz so wie Arjen, aber wir sind da schon ziemlich gleich.

Aber man darf ja auch nicht vergessen, dass man als Künstler mit dem Produkt, sei es ein Album oder Videoclip, bis an sein Lebensende leben muss, wenn es erst einmal veröffentlicht ist.

Robert: Ganz genau. Sobald es einmal raus ist, kann man nichts mehr ändern. Und manchmal sind es auch wirklich nur ganz kleine Details, die dem anderen von uns gar nicht auffallen. Aber diese Kleinigkeiten machen häufig den Unterschied. Daher versuchen wir, so lange an allem zu arbeiten, bis es so perfekt wie möglich für uns ist.

Nach den ganzen Arbeiten für andere Leute, wäre es doch vielleicht einmal wieder Zeit für ein neues Soloalbum, oder Arjen? Zumindest habe ich gehört, dass du dahingehend schon ein paar Überlegungen gemacht hast.

Arjen: Das ist gut möglich. Aber ich warte gerade darauf, dass die nächste Inspiration kommt, und dann schaue ich, was daraus wird.

Wäre ein Solo-Album vielleicht auch einmal etwas für dich?

Robert: Tatsächlich hatte ich das im Kopf, als wir wieder angefangen hatten an den PLAN-NINE-Songs zu arbeiten. Aber ich glaube, ein Solo-Album unter meinem Namen würde nicht unbedingt erfolgreich sein. Und ich spiele sowieso lieber in einer richtigen Band. Ich könnte mir aber vorstellen, vielleicht einmal ein Blues- oder Soul-Album aufzunehmen. Keine Ahnung, ob die Leute das auch kaufen würden. Das ist nur eine von ganz vielen Ideen, die in meinem Kopf umherschwirren. Und jetzt liegt der Fokus eh erst einmal auf PLAN NINE. Und das ist auch gut so.




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