ABWECHSLUNG PUR UND MAIDEN LIVE

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Mit einer ziemlichen Brausebirne erwacht und festgestellt, das Selbstgebrannter in Kombinationen mit drölfzig Bieren eine recht tödliche Kombination darstellt. Doch es half ja alles nix und der obligatorischen Frühstückskippe ging es um die Ecke zum Bauern, der auf seinem Hof für lediglich 6€ ein sattes Buffet mit Kaffee und allerlei Getränken anbot. Das dort zur freien Nutzung geöffnete Wasserklosett war natürlich eines der Highlights…neben der selbstgeschlachteten Leberwurscht und einem Kaffee, der Tote zum Leben erweckte. Sehr chillige Angelegenheit und der perfekte Start in den Tag.

Die fälschlicherweise doch nicht am Vortag verpassten Extinct eröffneten Tag 2, was allerdings an Einigen völlig vorüberging, denn in der Mitte des Sets standen exakt 5 Leute vor der Bühne, was vielleicht auch ein wenig an der musikalischen Qualität der Norddeutschen lag. Irgendwie ein verquerer Mix aus Thrash mit ein wenig Death, der allerdings zuweilen eher so wirkte, als wenn die vier Musiker gegen- und nicht miteinander spielen würden. Ebenfalls sollte man in der kurzen Zeit, die einem als Opener zur Verfügung steht weniger reden, sondern vielmehr sich und seine Musik präsentieren. Gesanglich erinnerte mich das ein wenig an alte Devastation und auch wenn es zum Ende hin etwas erträglicher wurde glaube ich kaum, dass es Extinct viel weiter schaffen werden, als aus dem Proberaum hinaus in kleine Kneipen oder als Opener für Festivals, bei dem die Leute noch in den Zelten liegen. Next please.
Zumindest hatte sich bei der zweiten Band des Tages die Zuschauerzahl verdoppelt, obwohl dies ebenfalls nicht unbedingt dem akustischen Reiz Dark Horizons gelegen haben dürfte. Irgendwas Black Metal lastiges schallte mir da entgegen, wobei es schon etwas surreal anmutet, wenn nicht ein einziges Bandmitglied mehr Haare auf dem Kopf hat, wie manch anderer an seinem Sack. Da waren die Southpark Tattoos am Bein des an mir vorbeigehenden Rectal Smegma Frontmanns Yannic weitaus spannender, als das auf der Bühne dargebotene. Ok, eine gewisse Daseinsberechtigung scheint die Combo ja zu haben, ich persönlich konnte sie allerdings nicht entdecken. Der Applaus der auf dem Hügel sitzenden Musikfreunde hielt sich ebenfalls in überschaubaren Grenzen. Eine Reise in die eigenen Gedanken wurde angeboten, ich zog die Reise zurück zu unserem Campground vor.
Wer mich kennt weiß, dass ich trotz meiner Freundschaft zu einigen Bandmitgliedern ein etwas gespaltenes Verhältnis zu Metall habe, welches ich diesmal revidieren muss, denn die Mannen aus der Bundeshauptstadt rissen heute wirklich was ab und konnten selbst mich als ewigen Nörgler heute vollkommen überzeugen. Selbst gesanglich war heute alles im Lack und musikalisch konnten die Mannen um Halford Chef Sven Rappold ebenfalls überzeugen. Sahen die nun etwas zahlreicher Anwesenden ebenfalls und sparten nicht mit Sympathiebekundungen. Die erste Überraschung des Tages.

Mein erstes Highlight heute waren bereits im Vorfeld Blizzen, die diese hohe Erwartungshaltung meinerseits auch vollkommen bestätigten und mächtig Späne machten. Wie meinte mein Kumpel Mario zu mir so treffend: "Toll, wenn Jungs, die da noch gar nicht geboren waren, so den Achtzigern huldigen". Exakt so isses! Blizzen machen einfach nur Spaß und Freude, komischerweise aber nur bei einer kleinen Klientel im Infield, die erst spät mit dem Vierer warm wurde. Warum nur? Dass was Blizzen machen ist einfach purer, unverfälschter Heavy Metal in Reinkultur, so wie er war, wie er sein muss und immer sein sollte. Fuck Core, so muss dat und meine Begeisterung steigerte sich mit jedem Song und als Evil Invaders Gitarrist Max dann auch noch bei einem Song die Bühne enterte und mit einer dritten Gitarre dem Sound noch mehr „fettness“ verpasste, war endgültig Schicht, der hier schreibende Protagonist verlor sämtliche Contenance, stürmte nach vorne und schwang die (leider nicht mehr) vorhandene Matte. Die bislang beste Band des Festivals! Spiel, Satz und Sieg!
Musikalisch überragend, Virtuosen auf ihren Instrumenten, glockenheller, engelsgleicher Gesang...ja...das alles können Rectal Smegma...NICHT! Muss auch, denn Grind ist Grind und nüscht anderes. Mit ihrem bärenstarken "Gnork" Album im Rücken sorgten die Niederländer für mächtig Stimmung. Vor der Bühne wurde heftigst das Tanzbein geschwungen, das Ruderboot wurde ausgepackt und auch sonst hatten alle...naja...fast alle, mächtig Spaß. Sogar das neben mir stehende Einhorn ging steil, kotzte Regenbögen und mischte den Pit auf. Der Sound war fett, die Band in Laune und Fronter Yannic poste wie eh und je. Ja Leute, Goregrind macht Laune. Fett wie die Füße von Dino Cazarez und der bislang größte Zuspruch des Tages seitens des ausrastenden Fans.
Während den Umbaupausen auf der Hauptbühne sollten nun Powerslave für Kurzweil sorgen und wer meinen Bericht vom Metal Frenzy aus dem Vorjahr kennt weiß, wie sehr ich diese unfassbar großartige Maiden Coverband liebe. Klar, auf der kleinen Bühne im Wald ist nicht groß Späne zu machen, doch nach anfänglichen Berührungsängsten gingen die Leute prima mit und feierten eine regelrechte Maiden Party. Im ersten Slot gab es "Aces high", "Wrathchild", "Wasted years" und den namensgebenden Song von gleichnamigen und besten Album der Briten. Grandioser Start!

Zum gefühlten 327.mal sah ich nun die Evil Invaders und was soll ich sagen: Der Belgische Thrash Mixer brummte, erneut sprangen die Jungs auf der Bühne rum und hinterließen verbrannte Erde. Ein Mödersound, eine anregende Spielfreude und dazu noch ein irres "Fabulous desaster" Exodus Cover, welches das Original fast an die Wand drückte. Einfach nur überragend! Es macht immer wieder Spaß den Mannen bei der Arbeit zuzuschauen und es gibt kaum mehr Synonyme um zu beschreiben, wie abartig geil ich die Truppe finde. Highspeed Thrash, grandioses Griffbrettgewichse und strammes Posing, so soll es sein, so kann es bleiben. 45 Minuten pure Lust am Metal. Fuck yeah!!!
"Number of the beast", "The evil that men do", "Hallowed by thy name" und "Iron Maiden" waren nun das Zuckerstück zum Überbrücken der Wartezeit und erneut bewiesen Powerslave ihre Ausnahmestellung als Coverband, denn ein großer Unterschied zu den überlebensgroßen Originalen war kaum festzustellen. Hach...da freut man sich doch glatt auf die nächste Pause....
Obwohl...an dieser Stelle muss ich mal ein kleines "Sorry" aussprechen, denn wo ich Dust Bolts neues Album nicht so spannend fand, killen die Songs live um ein Vielfaches mehr. Scheinbar angestachelt von der Überlicht-Performance ihrer Belgischen Kollegen vorher traten die Bajuwaren mächtig Arsch und schredderten fast alles in Grund und Boden. Auch hier blieb nicht ein Zentimeter der Bühne ungenutzt, Lenny war mächtig bei Laune und riss seine Kollegen mit, die förmlich um ihr Leben spielten und das etwas träge Publikum dennoch begeisterten. Der glasklare Sound tat zu diesem für mich nicht zu erwarteten Triumphzug sein Übriges und revidierte meine Meinung zu Dust Bolt komplett. Ganz großes Minigolf die Herren.

"Can I play with madness", "Where eagles dare", "Revelations" und "The flight of icarus"...und vor der Bühne wurde immer voller. Begeisterung pur vor allem bei der Ansage, dass die Jungs nach einem Online Voting das komplette „Piece of mind“ Album performen würden...nothing more to say...Pelle pur.
Yeah! Die eierlosen Nutten aus dem schwulen Norden! Illdisposed ist eine Band, die ich mir jede Woche im Abo live geben könnte. Leider hatte das dänische Abrisskommando anfangs mit üblen Soundproblemen zu kämpfen, die sich im weiteren Verlauf der Show zwar besserten, doch der Bass war einfach zu laut. Scheiß drauf und mit dem Schriftzug "Je suis Illdisposed" hatten die Mannen um Subwoofer Bo eh das beste Shirt am Start...nee...das "Game of Danes", welches entgegen meiner vorherigen Bekundungen, mir nichts kaufen zu wollen, doch in meine Tasche wanderte. Allerdings muss ich gestehen, dass ich die Jungs schon besser gesehen habe und auch Bos Ansagen waren schon witziger, dennoch gingen die Leute steil und gaben somit Illdisposed den Respekt, den sie sich in den Jahren redlich verdient haben. Nicht überragend, sondern gut und als nach dem Gig die Leute am Merchstan sich die Beine in den Bauch standen, um sich mit den geduldigen und überaus freundlichen Nordmännern ablichten zu ölassen oder einfach nur ein paar Takte zu plaudern, macht die Jungs noch sympathischer.
Mit "Die with your boots on", "The trooper", "Still life" und „Quest for fire“ gab es die nächsten Tracks vom legendären 83er Album und die Blizzen Jungs rasteten vor der kleinen „Wald“ Bühne komplett aus. So langsam schien sich eh herumgesprochen zu haben, was für Späne Powerslave hier auf die Bretter zauberten, denn es war nun so richtig voll!
Zu der aufkommenden Dunkelheit gesellte sich nun auch der passende Soundtrack, denn Marduk intonierten zum Tanztee und erstaunlicherweise hatten die Schweden einen unfassbar guten Sound, was dem Geballer nicht unbedingt die Regel ist. Das Infield war voll, die Stimmung entsprechend und selbst für mich, der dem Black Metal nicht unbedingt gewogen ist, war das eine ziemlich fette Abrissbirne. Dennoch zog ich es vor, mich netten Gesprächen mit Illdisposed Klampfer Jakob Batten und einigen kalten Getränken mit den Weirdos von Rectal Smegma zu widmen. Dem Volk allerdings gefiel das Getrümmer und das ist ja das Wichtigste.

Nun gab es mit dem vielfach mitgesungenen und seit einer absoluten Ewigkeit nicht mehr gehörten „Sun and steel“ und „To tame a land“ die noch fehlenden „Piece of mind“ Stücke, dazu noch „Fear of the dark“ und den krönenden Abschluss „Run tot he hills“. Und dann war Sense…wie sagte Mario neben mir so passend: „Fuck, die gehören auf die Hauptbühne. 3 Stunden und dann ab ins Bett. Wie recht er doch hatte. Das Experiment, was ich am Vortag mit Eisenkarl noch ziemlich durchwachsen fand, hatte mit Powerslave mehr als gut geklappt. Wer Maiden liebt muss einmal mindestens die Truppe aus Hamburg live erlebt haben. Grandios!!!
Den Abschluss des diesjährigen RUDE lieferten die allseits bekannten Schweden-Death-Wikinger von Unleashed .War das verdient? Auf gar keinen Fall! Ich mag die Jungs, hör mir die Musik gerne an, schau auch gern Live mal für die gesamte Konzertlänge rein.Wenn ich aber wiederholt zum Hauptgang meines Tagesmenüs eine so ausstrahlungsfreie Band serviert bekomme...nun, sagen wir mal, es hätte am Samstag andere potenzielle Headliner gegeben, die ich eher in dieser Position gesehen hätte.Was aber nun auch wieder nicht heißt, dass hier musikalisch nichts rüber kam.Ein Set bestehend aus allem, neu und alt, allseits geliebten Songs, machte aber auch beim übrigen Publikum diese „Feierabendstimmung“ nicht wett und auch hier: von Song zu Song immer lichter werdende Reihen und somit auch für mich ein verfrühter Abbruch circa 10min vor regulärem Ende der Band und des Festivals.

So stelle ich mir den Abschluss, das absolute Highlight, eines Festivaltages einfach nicht vor. Da muss es nochmal richtig scheppern und knallen, tat es hier leider für mich an beiden Tagen nicht – so wie für viele andere, wie anhand meiner beschriebenen Beobachtungen wohl zu erkennen war. [Morten]
Trotz dieses Abschlusses muss das Fazit ganz klar zugunsten des R.U.D.E. ausfallen, denn allein die Location lädt zu einem erneuten Festivalbesuch in 2017 ein und wenn das Billing ähnlich hochkarätig wird wie in diesem Jahr, sollten vielleicht auch einige der am Hügel Angewachsenen ihren Arsch in Bewegung setzen können. Ein vortreffliches erstes Mal, welches Lust auf mehr macht. Stay RUDE!!!
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