Fetter geht's kaum

Ayreon, Gorefest, Hail of bullets und dazu noch das Soloprojekt The 11th hour…Ed Warby ist wahrlich ein ziemlich umtriebiger Mensch, der scheinbar nicht weiß, wohin mit seinem überschüssigen Kreativpotential. Bereits 2009 bescherte uns der Holländische Sympatikus mit „Burden of grief“ ein irrsinnig fettes Doom/Death Album, welches er zusammen mit Tausendsassa Rogga Johansson einspielte. Nun ja, „einspielte“ ist vielleicht übertrieben, da Mr.Ed neben allen Instrumenten auch noch selbst produzierte und somit The 11th Hour zu seiner ganz persönlichen Spielwiese machte.

Nun also der Nachfolger „Lacrima mortis“, welcher jetzt schon als Genreklassiker eingehen wird, denn fetter, härter und gefühlvoller (!!!) kann man diese Spielart des Metal nicht zelebrieren. Einzige großartige Veränderung ist, das statt Johansson nun Pim Blankenstein von Officium triste für die Growls zuständig war, der aber Herrn Johansson in absolut Nichts nachsteht. Eine geile Platte, ein toller Musiker…viel Stoff für ein paar persönliche Worte…
Ed, bei der Unmenge an Bands, in denen du aktiv warst und auch noch bist stellt sich mir die Frage, ob Du überhaupt den Begriff „Langeweile“ kennst?


Ich glaube ich bin einfach das, was man einen Workaholic nennt. Langeweile kenne ich tatsächlich nicht, denn neben der Musik bin ich ein großer Filmliebhaber und habe somit immer irgendwas zu tun. Im Moment befasse ich mich allerdings überhaupt nicht mit dem komponieren eigener Songs doch ich weiß, sobald ich eine Gitarre in die Hand nehme, geht das Ganze wieder von vorne los.


Die dümmste Frage, die allerdings gestellt werden muss: Wie zufrieden bist Du mit „Lacrima mortis


Ich bin sehr zufrieden, was für mich als schrecklichen Perfektionisten ziemlich selten ist. Natürlich gibt es immer ein paar Dinge, die man vielleicht hätte besser machen können, doch im Großen und Ganzen klingt das Album so, wie ich es mir gewünscht und vorgestellt habe.


In meinem Review bemerkte ich, dass „Lacrima mortis“ eine schon fast nicht zu erwartende Steigerung gegenüber „Burden of grief“ in Sachen Heavyness und Power ist. Stimmst Du zu?


Auf jeden Fall, denn ich habe an dem Album so dermaßen hart gearbeitet bis ich das absolute Gefühl hatte, dass es tatsächlich besser werden würde als „Burden of grief“. Das Album war recht schwer, doch auf dem Neuen gibt es Parts, die einfach härter sind, als auf dem ersten Album. Ebenfalls macht der Sound einen großen Unterschied aus, der diesmal einfach noch besser ist und die Erfahrungen, die ich als Sänger und Gitarrist gemacht habe, zahlen sich diesmal ebenfalls aus.

Du spielst alle Instrumente, hast die Scheiben selbst produziert, Du singst. Zusammenfassend gesagt: Ist The 11th hour ein Ego Trip oder als Beweis Deines musikalischen Genies gedacht?


Nichts von beidem, es ist einfach nur etwas, was mir unbändigen Spaß macht und ich genieße es immer aufs Neue, etwas alleine zu kreieren und entstehen zu sehen. Als ich „Burden of grief“ schrieb wollte ich einfach herausfinden, ob ich überhaupt dazu imstande bin, ein komplett eigenes Album zu bewerkstelligen. Dieses Mal war ich mehr in der Rolle der Mühelosigkeit, da ich mir diese Umstände nicht mehr beweisen musste. Nächstes Mal werde ich die ganze Band hinzufügen und das dritte Album definitv nicht alleine machen.


Dann kann ich also davon ausgehen, dass die Reise nicht nach „Lacrima mortis“ endet?


Momentan gibt es noch keine konkreten Pläne, aber ich bin mir felsenfest sicher, dass es ein drittes Album geben wird. Ich habe eine tolle Band um mich herum und wir sind sehr engagiert, um mit The 11th hour auf eine nächste Ebene vorzustoßen.

Erzähl mir doch bitte ein klein wenig über das textliche Konzept des Albums denn wenn ich Titel wie „We all die alone“, „Nothing but pain“ oder „Bury me“ lese komme ich unweigerlich zu dem Schluss, dass es sich bei Ed Warby um einen höchst depressiven Menschen handelt…

Im Allgemeinen bin ich ein sehr fröhlicher Kerl (wovon ich mich selbst beim letzjährigen Summerbreeze persönlich überzeugen konnte-Olaf)doch der Tod meiner Eltern in den Neunzigern hinterließ in mir einen sehr starken, bleibenden Eindruck und diese Songs geben mir die Möglichkeit, all diese Emotionen herauszulassen. Wenn ich über die Vergangenheit nachdenke, kann ich sehr melancholisch werden und dafür eignet sich die Musik, die ich mit The 11th hour mache, perfekt. Wenn ich die Songs auf der Bühne oder im Studio spiele berühren sie mich sehr, weil sie mich an Ereignisse erinnern, die ich bereits sehr weit in die düsteren Regionen meines Hirns verbannt hatte.

Warum eigentlich Doom? Das ist ja nun nicht gerade die Sparte des Heavy Metals, die unbedingt Kohle einbringt. Lohnt sich dafür eigentlich der ganze Aufwand?

Du wirst lachen, denn es ist sehr komisch. Als ich mit The 11th hour anfing hieß es „DerGorefest Typ will nur den Hype des Doom Metals sich zu Nutze machen.“ Das war das mit Abstand Dümmste, was ich bis zu diesem Zeitpunkt je gehört hatte. Bisher hat mich The 11th hour nur Geld gekostet…und davon eine Menge, aber das ist völlig in Ordnung, da ich es einfach liebe und die Befriedigung die ich damit erlange, ist das höchste Gut, was ich für mich selbst als Musiker erreichen kann. Klar wäre es schön, wenn die Band etwas mehr Geld abwerfen würde oder wir auch mal auf „normalen“ Metal Festivals auftreten könnten, doch scheinbar gibt es nicht allzu viele Doom Fans da draußen. Doom Metal passt einfach zu meiner Persönlichkeit und außerdem war ich schon immer ein großer Fan solcher Bands wie Candlemass, Trouble oder auch die späteren Paradise Lost. Die Melodien, die Schwere, die Traurigkeit…all das übte eine große Anziehungskraft auf mich aus.

Bei dem was Du sagst kann man also davon ausgehen, dass man The 11th hour wohl nie auf Tour sehen wird…allerhöchstens mal auf irgendeinem Festival?

Ganz ehrlich habe ich Angst vor einer Tour, dass steht völlig außer Frage. Selbst mit Hail of bullets spielen wir keine, denn die Sorge um einen finanziellen Verlust ist einfach zu groß und das obwohl wir schon sehr viele Angebote bekommen haben. Doch um da Geld zu verdienen, müsstest du Tonnen an Merch verkaufen (was HOB hundertprozentig schaffen würden-Olaf) und am Ende verlierst du trotzdem Geld. Wir werden weiterhin ausgesuchte Clubshows und Festivals spielen, denn dieGorefest Europa-Tour war ein warnendes Beispiel. Als wir nach Hause kamen, waren wir bis über beide Ohren verschuldet.
Zurück zum Album. Wie kam der Wechsel von Rogga Johansson hin zu Pim Blankenstein zustande?

Zu Rogga muss ich sagen, dass er mich quasi dazu inspiriert hat, ein Doom Album aufzunehmen und da er selbst auch an den Songs und den Texten mitgewirkt hat, war er damals mehr als nur ein Gast. Ich wollte ihn auf jeden Fall auch für dieses Album mit an Bord haben, doch dann wurde er krank und stand da leider nicht zur Verfügung. Da Pim ja bereits Teil meiner Live Band ist, stand die Lösung quasi vor meiner Haustür…und er hat wirklich eine beeindruckende Leistung abgeliefert.

Bei Hail of bullets sitzt Du hinter den Drums, bei The 11th hour hinter dem Mikro mit der Klampfe in der Hand. Welche Position gefällt Dir besser?

Ich mag Beides, aber das Gitarrespielen ist neu und reizt mich momentan viel mehr, als es das Drumming tut. Ich habe allerdings ziemliche Schwierigkeiten damit, den Frontkaspar zu spielen, so dass ich Pim diese Aufgabe bei den Konzerten bislang überließ. Ich musste mich auf die Gitarre und den Gesang konzentrieren, was für mich schon mehr als genug war, hahaha.
Wie wichtig ist dir dein Part bei Ayreon?

Sehr wichtig, den auch meine Beziehung zu Arjen ist was ganz Besonderes. Manchmal reden wir monatelang überhaupt nicht miteinander, doch wenn wir uns dann zusammensetzen, passiert etwas Magisches. Im Studio ist es dann noch extremer und schon fast mit „Telepathie“ zu beschreiben, denn hier weiß Jeder sofort, was der Andere denkt, obwohl der nur ein Wort ausgesprochen hat. Es macht uns Beiden eine Unmenge an Spaß zusammenzuarbeiten und ich denke, dass werden wir auch noch einige Jahre tun.

Wenn man das alles mal zusammenfasst spielst Du Doom, Death und normalen Heavy Metal. Wo fühlst Du Dich am meisten Zuhause?

Bei allen, denn es ist einfach Metal. Ob nun langsam, schnell oder kompliziert. Ich versuche immer mein Bestes für den jeweiligen Song zu geben und der Ansatz zu einem progressiven Ayreon Track ist gar nicht so verschieden, wie zu einer ultrabrutalen HOB Granate. Ich spiele gerne hart, was meine Stärke ist. Leise Songs passen gar nicht zu mir und kommen auch nicht gut rüber, weshalb Arjen dann doch bei ruhigeren Stücken etwas „sensiblere“ Drummer ranlässt.

Von 2004 bis 2007 hast Du viermal den Titel des besten Drummers in den Benelux Staaten beim Magazin „Slagwerkwereld“ gewonnen. Was war denn in den folgenden Jahren los? Ist Dir solche eine Auszeichnung wichtig oder verkommt die dann doch zu einem Staubfänger?

Das war echt eine coole Zeit und ich bin ja immer noch regelmäßig unter den Top 5 zu finden, aber das ist mir nicht mehr ganz so wichtig. Als ichGorefest beitrat und „False“ herauskam, gab es eine Menge Aufmerksamkeiten von diesem Drum-Magazin und dies war vor allem deshalb wundervoll, da ich endlich meine Eltern mit Stolz erfüllen konnte, die mich immer unterstützt und begleitet hatten. Außerdem half es mir an verschiedene Endorsement Deals heran zu kommen, was ja auch nicht ganz so schlecht war, hahaha.Es gab mal ein Zitat in einem Online Forum in dem es hieß: „Fuck Doom, reunite Gorefest“. Fühlst Du Dich bei sowas persönlich angegriffen?

Ja, absolut, denn solch eine Aussage ist dumm, ärgerlich und respektlos. Gorefest hatten eine zweiten Chance und haben es erneut versemmelt…und ich bin froh darüber. Es ist vorbei und es wird keine Reunion jemals geben. Ich kann ja verstehen, dass The 11th Hour nicht Jedermanns Geschmack sind, doch wenn man ein solch großer „Fan“ einer Band war, erwarte ich und Frank Harthoorn (Gitarrist) ein wenig mehr Höflichkeit.

Also gibt es auch keinerlei Kontakte mehr zu Deinen alten Bandmitgliedern?

Nur zu Frank, der ja auch zur Band gehört. Es war schon cool als er The 11th hour beitrat und alles ins rechte Lot gerückt wurde. Es fühlt sich großartig an, neben ihm auf der Bühne zu stehen und zu spielen. Wir teilen uns die meisten Leads und es ist immer ein absolutes Vergnügen, mit ihm Harmonien zu zaubern, die es so über die Jahre, als ich hinter dem Schlagzeug saß, nie zustande kamen. Die anderen Jungs habe ich seit 3 Jahren nicht gesehen oder gesprochen, worüber ich, ehrlich gesagt, auch nicht sonderlich traurig bin.

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