THRASH UND DESINFEKTIONSMITTEL



Ich und DESASTER, das ist so eine Sache. Ich bin ja Fan der Combo seit deren „Fog Of Avalon“- Demo. Seit nunmehr über dreißig Jahren ist die Koblenzer Black-Thrash-Kapelle nun schon unterwegs, immer noch im Underground verwurzelt und bodenständig. Anlässlich des neuen Opus „Churches Without Saints“ hielt ich es für passend, mal wieder ein Interview mit DESASTER zu machen, welches auf besonderen Wunsch von Infernal telefonisch ablief. Ich habe mich dazu entschlossen, die ganze Sache größtenteils im Original zu belassen, nur ein paar „Ähhs“ und „Öhhs“ rauszukürzen, wodurch auch ein bisschen das „alte Säcke erzählen sich vom Krieg“- Flair aufkommt. Aber zur Sache. Pünktlich zum verabredeten Zeitpunkt klingelte ich also beim Riffmaster an. Klingelingeling…

Kuschke?

Ja, hier ist die unheilige schwäbische Inquisition, wir hätten da mal ein paar Fragen… (letzter Teil des Satzes geht in infernalischem Gelächter unter.)

Hi Maik, grüß Dich, Wie geht’s Dir?


Naja , geht so, den Umständen entsprechend. (Daraufhin tauschten wir ein paar Worte über meinen Gesundheitszustand aus, was ich Euch hier mal eben erspare. Schließlich geht es ja um DESASTER…).Okay, ja… Das letzte Interview, das wir miteinander hatten, das war so vor etwa 27 Jahren.

(lacht), So lange is datt schon her?

Ja, echt. Das war damals überhaupt erst mein drittes oder viertes Interview überhaupt.

Da kannste mal seh’n, was wir alte Säcke sind!

Das war damals noch handschriftlich, perPost(Gelächter von Infernal). Das habe ich dann in so ‘ne Nachkriegsschreibmaschine eingehämmert und mir die Pfoten blutig getippt.

Ja, wie geil, ey. Gab noch kein Internet.

So, ich hoffe, Du hast es Dir bequem gemacht, und ein Kaltgetränk Deiner Wahl steht auch griffbereit.

Ja sicher, ja sicher.

Das ist jetzt mein erstes Interview dieser Art, ich hoffe mal, dass ich es nicht ganz versaue. Weil, ich laber dann meistens selber zu viel. Wenn Du das Equipment sehen könntest, was ich hier aufgebaut habe, würdeste Dir den Arsch ablachen, so wie damals über unser Zelt immer.

(lacht sich den Arsch ab)

Okay, kommen wir mal zur Sache. Erst mal Gratulation zum neuen Album!

Ja, Dankeschön!

Ist ein fettes Ding geworden, wieder. Hat bei mir schneller gezündet als das Vorgängeralbum. Nun, das Intro ist recht kurz, aber mit dem darauffolgenden Opener „Learn To Love The Void“ habt ihr wieder so richtig gleich mal einen knallen lassen. Einfach nur Bauchgefühl, oder war das Absicht?

Ja, man kuckt natürlich dann, welcher Song passt am besten als Opener. Na, und da hat dann tatsächlich „Learn To Love The Void“ am besten gepasst. Wir finden auch, dass das ein gelungenes Eröffnungsstück ist für das Album. Das hat so wirklich alles, was DESASTER so’n bisschen ausmacht. Nä, so das Gethrashe halt so. Ich finde, bisschen im Stil von VOÏVOD höre ich da so’n bisschen raus. Aber auch in der Mitte ein bisschen Black Metal. Nä, so’n bisschen evil und so. Datt is schon ‘n guter Song geworden, genau. Kurz und schmerzlos, nä. Man kann ja jetzt nicht mit nem Zehnminutending so ne Platte eröffnen. (lacht). Also denke ich mal, das war ‘ne gute Wahl.

Ja, hat auch ein bisschen was Punkiges mit drin, finde ich.

Ja genau.

Und dann ist mir irgendwie aufgefallen, übrigens über das ganze Album verteilt, daß Ihr ab und an ein paar Eurer älteren Riffs leicht zitiert, also nicht direkt genau nachspielt, aber so leicht im Anklang. Gerade bei „Learn To Love The Void“ fand ich ein Riff, welches mich an „Porter Of Hellgate“ erinnert hat.

Ja, genau. Datt hat unser schwedischer Die-Hard-Fan, der Samme, auch geschrieben, als ich ihm den Song mal geschickt habe, so zum Testhören. Und er meinte auch, er hört da so’n bißchen „Porter Of Hellgate“ raus. Gut. Ist jetzt gar nicht so mit Absicht gewesen, das liegt halt an, haha, meinen limitierten Gitarrenspielkünsten. Ich mein, ich bin jetzt nicht so der Virtuose und ich benutze eben immer dieselben Schemata, sag ich mal so. Und die Riffs sind dann eben irgendwann nach neun Alben, sag ich mal so, äh, ähnlich.

Naja, wenn man über dreißig Jahre dranhängt, da kommt schon ein bissle Routine rein nä?

Ja, was heißt Routine? Das kommt automatisch, das ist nun mal mein Style. So spiel‘ ich halt. Und ich kann halt net andre Sachen spielen, so ist das nun mal. Ich habe ja nie einen Lehrer gehabt, der mir was anderes hätte beibringen können. Ich habe mir das alles selbst angeeignet, und auf dem Stand bin ich halt immer noch nach dreißig Jahren. Da hat sich irgendwie nix getan. Auf der anderen Seite finde ich aber auch, das ist gar nicht so schlecht, ne. Man hört halt immer direkt, datt is DESASTER. Man hört, okay, das ist der Kuschke mit seinen Riffs. Man mag datt halt oder auch net. Äh, ja, ich finde das halt immer etwas enttäuschend.

Ich bin ja selber Fan- wenn ich Alben höre von Bands, die plötzlich was ganz anderes machen. Das will ich als Fan, ehrlich gesagt, gar nicht haben. KREATOR hatten ja mal so ne Phase, wo ich dachte „um Gottes Willen, was ist denn da los?“. Da habe ich die schon fast abgeschrieben gehabt. Okay, die kamen dann mit ein paar guten Alben wieder. Aber wie gesagt, du weißt, was ich meine. Und deshalb finde ich das gar nicht schlecht, wenn man gleich heraushört, wer da gerade am Krach fabrizieren ist.


Okay. „Churches Without Saints“ heißt das neue Album. In meinen Augen haben Kirchen zwar eh nicht viel Heiligkeit an sich, aber da dies der Titelsong geworden ist, habt Ihr vielleicht etwas Bestimmtes damit ausdrücken wollen?

Ja, also, das ist jetzt kein Konzeptalbum oder so. Naja, aber es ist wahrscheinlich bekannt, DESASTER waren ja schon immer so’n bisschen antireligiös und antichristlich. Das (Christentum) ist ja nun mal die vorherrschende Religion hier bei uns. Jetzt. Noch. Gottseidank treten ja immer mehr Leute aus der Kirche aus. („Gottseidank!“? Echt jetzt? Anm.d.Red.). Naja, wir wollten eben da noch mal ein Statement abliefern, gerade wegen dem, was letzte Zeit so wieder los war. Wenn man nach Köln gekuckt hat, wo irgendwie wieder so ein Skandal war. Wo die achtzig Jahre Missbrauchsfälle aufgearbeitet haben und der Bischof wollte dann diese Studie erst mal unter den Teppich kehren. Und nur auf Druck der Öffentlichkeit ist das dann rausgekommen. Da wurden die Schuldigen dann auch benannt.

Und das finde ich eben ein Unding, dass im Jahr 2021 eine Institution namens Katholische Kirche immer noch so eine Macht hat.  Dass unter dem Deckmantel der Christlichkeit irgendwelche Kinderficker am Werk sind, dass Du Angst haben musst, Deine Kinder da hinzuschicken. Das, finde ich, kann nicht sein. Deshalb unterstütze ich auch, was der Nergal von BEHEMOTH da in Polen macht. In Polen sind ja immer noch 80%, glaube ich, katholisch. Und er sagt eben auch, das kann nicht sein, dass in einem aufgeklärten modernen Staat da so eine komische Sektengemeinschaft da noch so eine Macht hat. Das kann nicht sein. Politik und Glauben müssen getrennt sein. Jeder kann natürlich glauben, was er will. Ob datt jetzt Jehova ist, oder wer. Kann ja jeder selber entscheiden, aber sobald da so eine Institution entsteht, die anderen vorschreiben will, was sie zu tun oder zu lassen haben, was sie zu glauben haben… so entstehen halt immer so Sachen wie Glaubenskriege und so weiter und so fort.

Kuck Dir den Scheiß in Israel an, der gerade aktuell wieder abgeht, was da los ist. Und unser Statement ist halt „Churches Without Saints“. Die Leute sollen die ganzen Scheinheiligen aus den Kirchen jagen, die brauchen wer nimmer in der heutigen Zeit. Ich meine, Spiritualität ist wichtig, jeder Mensch muss an irgendwas glauben, aber da sollen die Leute lieber an Heilige wie Lemmy glauben (lacht), als an den ganzen Humbug. Meine große Tochter geht mittlerweile soweit, die hat an Ostern, da ging es so’n bisschen um die Ostergeschichte, gesagt,: “also ehrlich, wenn man an so komische Märchen um Jesus glaubt, dann muss man auch an Elfen und Feen glauben.“ (lacht wieder). Da finde ich, hattse vollkommen recht. Klar, kann jeder glauben was er will, aber in der heutigen Zeit sollte er nicht damit anderen Leuten auf den Sack gehen.


Ist „Hellputa“ eigentlich so ne Art Höllenversion von der „Angelwhore“?

(lacht meckernd). Ja. Der Song steht in der Tradition von „Angelwhore“ und „Queens Of Sodomy“, da hatten wir ja auch mal nen Song. In Zusammenarbeit mit „Emma“ und der Alice Schwarzer, sind die Songs entstanden. Unser Tribut an die Weiblichkeit. Natürlich nicht ganz ernstzunehmen.

„Hellputa“, die Höllenhündin quasi, Puta ist so ein Ausdruck im Spanischen oder Portugiesischen für Schlampe, für Hure, so, nä. Und die Höllenhure ist quasi so die Schwester von der Engelshure, genau. (lacht wieder). Sie steht halt ein bisschen, äh, auf extremeren Sex und möchte halt gerne, äh, als devote Schlampe behandelt werden. Und datt geben wir ihr natürlich gerne (lacht anzüglich). Dementsprechend ist der Song also zu verstehen, nä. Um Gottes Willen, wir ehren alle Frauen, es gibt aber eben auch so Abartigkeiten, über die man auch gerne mal nen Song schreiben kann.


Wie kommt man eigentlich auf solche Titel wie „Armed Architects Of Annihilation (In Clarity Of Total Death)“? Den musste ich jetzt ablesen…

(lacht) Ja, das ist unser verrückter Sänger. Der hat da manchmal so komische Anwandlungen. Ursprünglich hieß der Song „Clarity For Total Death“. Das hat mir jetzt aber nicht so gefallen. Naja, und dann hat er den Titel noch länger gemacht, hat die „Architects of Annihilation „noch dazu gemacht, ich glaube, damit wollte er mich nur ärgern. Oder den Layouter, weil der den riesenlangen Titel auf der Platte irgendwie unterbringen muss, layouttechnisch.

Ist aber ein schöner Brecher, der Song. Muss man sagen.

Ja, Dankeschön. Der Anfang ist übrigens inspiriert - Du hast es bei „Learn To Love The Void“ schon erwähnt,der wäre so’n bißchen punky -… also, Odin und ich sind große Punk -Fans, gerade von deutschen Asi- Bands , so HASS, NORMAHL und SLIME und so weiter, aber auch natürlich den Engländern wie EXPLOITED. Und der Anfang von „Architects Of Annihilation“ ist inspiriert von, ich glaub das sind Amis gewesen, BROKEN BONES hießen die wohl. Die hatten mal so einen geilen Song, und da habe ich mich ein bisschen inspirieren lassen.

Okay, ich will hier nicht jeden Song einer Autopsie unterziehen. Kommen wir mal zum Schluss der Platte. „Aus Asche“ ist eine ziemliche Überraschungsgeschichte geworden. Zuerst denkt man, da kommt so ein typisches mittelalterliches DESASTER- outro, und dann auf einmalwird ein Gothic Wave Song daraus. Mit deutschen Texten und Flüstergesang. Da werden die Szenewächter sicher wieder was zum Meckern haben, oder?

Ja, genau deswegen haben wir das auf de Platte gepackt. Um die mal wieder so richtig an ihrem Ehrgeiz zu kitzeln. Damit die auch schön ihren Senf dazugeben im Internet. Das interessiert mich aber alles net. Ich bin da nicht in irgendwelchen Foren unterwegs, und reg mich da auf, wenn irgendwem was von uns nicht gefällt. Musik ist Geschmacksssache, Man kann das gut finden oder nicht. Aber ich find’s gut, wenn die Leute sich wenigsten damit auseinandersetzen, und wenn eine negative Kritik mal dabei ist, freut mich das auch, gell.

Meine Frau findet den Song auch cool.

Ja. Hähä, Du nicht so, oder?

Doch, ja, ich war nur überrascht.

Ja, also ich hatte das Riff schon länger in der Schublade, wollte das bei MOONTOWERS ausprobieren, weil ich dachte, das passt da vielleicht besser. Inspiriert war das tatsächlich so von früher. So als Kind, mit 11, war ich ziemlicher THE CURE- Fan. Da kommt das vielleicht ein bisschen her, Und etwas konkreter, da gibt es so eine 10“ , wo PRIMORDIAL zusammen mit KATATONIA drauf sind. Und der KATATONIA- Song ist eben auch mit der unverzerrten und etwas verhallten Gitarre. Ich fand das interessant, und wollte auch mal sowas ausprobieren.

Das hatte aber, wie gesagt, nie so richtig reingepasst, und jetzt zum neuen Album haben wir das nochmal rausgekramt.  Haben da probiert, und unser Sänger hatte da gerade so ein Gedicht geschrieben oder wiedergefunden, weil er es auch irgendwo inner Schublade hatte. Dann haben wir das auch mit anderem Gesang mal ausprobiert. Aber Ihr braucht da keine Angst zu haben, dass wir uns jetzt in diese Richtung weiterentwickeln, oder so. Die neuen IDLE HANDS oder so werden, obwohl, die mussten sich wohl auch schon wieder umbenennen, nä? Die heißen jetzt irgendwie UNTO OTHERS oder so, aber ich find so Musik auch ganz gut. Aber DESASTER stehen für andere Musik, aber so als Outro, genau wie Du schon gesagt hast, ist es eine Abwechslung zu den typischen mittelalterlichen Outros, die wir in der Vergangenheit immer wieder mal hatten. War mal eben was Neues.


Mir ist auch aufgefallen, dass die Produktion ein bisschen anders ist als auf den letzten Platten. Irgendwie wirkt es lebendiger, authentischer. Nicht dass ich jetzt sagen will, dass Eure letzten Platten unauthentisch wären,(Infernal kichert)aber mehr so, als wenn das live gespielt wäre.

Ja, genau. Das haste richtig erkannt, das war auch ein großes Anliegen von mir, weil ich so rückblickend, gerade mit den letzten beiden Alben vom Sound her nicht mehr ganz so zufrieden war. Die Produktion war mir ein bisschen zu, naja, modern. Heutzutage nehmen halt alle mit denselben Computerprogrammen auf, und da wollten wir ein bisschen gegensteuern. Okay, wir haben auch wieder mit demselben Computerprogramm aufgenommen, hähä, aber der Produktionsprozess war ein bisschen ein anderer.

Unser Mixer hat ein mega- Riesen- Mischpult angeschleppt. Das hat er sich extra ausgeliehen. Uraltes Teil, wo manche Knöpfe gar nicht mehr richtig funktioniert haben. Da musste man erstmal mit, äh, wie heißt das so, mit Öl reinsprühen, damit die Tasten wieder funktionieren. Aber ich glaube, gerade das alte Mischpult hat etwas mit unserem Sound gemacht.  Ich meine, wir sind eben auch Old- School- Metaller. Ähm, ich habe ein Equipment, da spiele ich seit dreißig Jahren mit, an Hywat- Verstärker, der ist ein Jahr jünger als ich, also von 1974. Und da war mir dann immer der Sound net ganz so authentisch genuch. Das haste richtig erkannt, das ist uns nun besser gelungen. Obwohl gerade der Sound auch sicher die Geister scheiden wird, weil, der normale Hörer ist halt die Standardproduktion heute gewöhnt. Der wird wahrscheinlich beim ersten Hören erst mal denken „watt is datt denn? Das hört sich ja an, wie vom Grammophon uffgenomme!“ (Gelächter von uns beiden)

Aber ich finde das gut. Der Sound ist, wie Du sagtest, organischer, ist natürlicher, hat bisschen mehr den Live-Charakter. Wir haben auch tatsächlich Schlagzeug und eine Gitarre direkt zusammen aufgenommen, und den Rest dann danach. Und deswegen denke ich mal, ist das gut geworden. Das passt halt zur Musik, nä? Und ich hoffe mal, dass wir in dem Stil auch weiterarbeiten können.

Ist auch ein endgeiles Coverartwork geworden. So detailreich, da ist ja fast schon das LP- Format zu klein, um alles zu erkennen. Das wird es doch bestimmt auch als T-Shirt geben, oder? Wer hat das eigentlich gemalt?

Ja, das ist ein Brasilianer, Marcos Milla heißt der. Den hammer schonmal engagiert, für ein T-Shirt-Motiv. „In A Winter Battle“, da hatten wir so Pullis gehabt, wo er das Artwork für gemacht hat. Und das hat uns ganz gut gefallen, und da dachten wir so, „komm, dem geben wir jetzt mal ne Chance!“, gaben dem den Albumtitel und ne grobe Vorgabe, was da so drauf sein soll, und nach einigem Hin und Her – es gab da ein paar Missverständnisse, auch innerhalb von der Band -naja, wir sind dann letztendlich recht zufrieden. Ist sehr detailgetreu, gibt es als T- Shirt demnächst, auch als Flagge – die werden gerade hergestellt- wer sich das ein bisschen größer ins Zimmer hängen will. Ja, gefällt mir eigentlich ooch ganz gut, das Cover. Ist jetzt nicht mein Lieblingscover von DESASTER, das ist immer noch „Tyrants Of The Netherworld“, hähähä,

Ja, das ist echt gut.

Ja, das ist sowas Ikonisches, das ist so richtig geil gewesen, das Cover. Aber das neue gefällt mir auch ganz gut, auch wenn es ein bisschen moderner ist vom Stil her, nä. Aber ich finde, dass passt zu uns.

Wie habt Ihr das eigentlich hingekriegt mit dem Proben? War ja alles dicht, man durfte sich nicht treffen und so. Ich kann mir nicht vorstellen, daß Du zu den Typen gehörst, die Soundfiles durch die Gegend schicken.

(lacht) Auf keinen Fall, nee. Datt lehn‘ ich ab. Das war ja auch einer der Gründe, warum wir uns leider von unserem Husky trennen mussten. Es war einfach nicht mehr möglich, zu proben. DESASTER können nur im Proberaum leben und nur da können die Songs entstehen. Das geht gar nicht anders. Es war natürlich mit Einschränkungen verbunden, zeitweise durften wir nicht, aber, äh…haben es trotzdem gemacht. Hähä. Ich meine, wir haben einen großen Proberaum, da kann man genug Anstand halten und es gibt ja auch immer genug Desinfektionsmittel bei uns in der, äh, Proberaumbar. Deswegen war datt kein Problem. (lacht)

Es ging schon, wir haben die Zeit genutzt, weil wir ja nicht live spielen konnten, intensiv an den Songs zu feilen. Ich denke, das hört man auch. Und dadurch ist es auch ein sehr ausgereiftes Album geworden. Es gab schonmal Songs auf Alben von uns, wo ich rückblickend immer noch denke, Hm, da hätten wir songwritingtechnisch noch mal mehr Hand anlegen sollen, können. Diesmal bin ich da wirklich sehr, sehr zufrieden.


Naja, Rebellion ist ja im Metal ursprünglich auch mal implementiert gewesen…

Ja, genau. Wir brauchen hier nicht über Corona- Maßnahmen diskutieren, klar waren die notwendig, gell. Ob da jetzt wirklich im Einzelfall, ob wir dann wirklich irgendwas riskiert haben, weil wir uns statt mit zwei Leuten mit drei getroffen haben…ich glaube, wir sind jetzt nicht verantwortlich dafür, dass Leute gestorben sind in Deutschland.

Ja, nee, das glaube ich auch nicht. Vielleicht reicht es dann ja mal zu ner Coverversion von „Breaking The Law“…

Ja genau. (klang aber nicht sehr begeistert, hähä)

Okay, vor über dreißig Jahren hast Du angefangen mit DESASTER. Hättest Du Dir eigentlich damals träumen lassen, dass das mal so ausufert? Ich meine, es gibt mittlerweile eine DESASTER- Tribute- Doppel-CD, einen Fanclub, mittlerweile werdet ihr von Bands als Haupteinfluss genannt, und ich glaube, es schreibt auch gerade einer ein Buch über Euch.

Das macht mich alles natürlich sehr, sehr stolz. Näää, rückblickend natürlich net. Wir waren eine kleine Krachkombo aus Mülheim-Kärlich, haben im Kinderzimmer quasi die ersten Proben gehabt, noch mittem Sessel als Schlachzeuch. Und so weiter. Und dass aus dieser Kindercombo mal sowas draus entsteht, das hätten wir uns nie träumen lassen. Wir haben damals immer rumgesponnen, natürlich, dass wir auf Tour gehen, irgendwann, in Mülheim und Kärlich und Koblenz. Haha, ja, das war dann schon unser Weltbild damals. Aber das wir mal über den Teich fliegen, hier, über den Atlantik, in Südamerika spielen, in Amerika und in fast allen europäischen Ländern, das hätten wir uns natürlich nie träumen lassen.

Fehlt jetzt eigentlich nur noch Japan, oder?

Japan wäre bestimmt mal interessant, wobei die Berichte von METAL INQUISITOR und METALUCIFER -Husky und Blumi, die waren ja schon mal da – die haben mich so‘n bißchen abgeschreckt, irgendwie. Was das Thema Alkohol angeht, zum Beispiel, allein schon, naja, ich muss jetzt auch nicht überall spielen. Wir hatten auch schon Angebote gehabt, in Australien zu spielen. Aber ich weiß nicht, ob man da wirklich zwei Tage um die halbe Welt fliegen muss, um dann vor 100 Leuten auf nem anderen Kontinent zu spielen, nur um zu sagen, okay, wir waren da.

Also mir reichen auch die lokalen Fans hier in Deutschland, oder im angrenzenden Ausland. Ich muss nicht unbedingt immer um die ganze Welt touren. Da bin ich mittlerweile, muss ich echt zugeben, auch ein bisschen zu alt für. Das Reisen ist mir halt unheimlich anstrengend.


Das kann ich nachvollziehen.

Gell, nä? Das hat man als junger Bursche besser weggesteckt. Da ist man noch mit der Gitarre auf den Knien im Polo jedes Wochenende unterwegs gewesen, nä.  Da war das kein Problem, dann auf der Bühne gepennt nachher, oder bei irgendeinem auf’m Flur oder so. Das könnte ich heute alles gar nicht mehr. Wir sind halt auch nicht IRON MAIDEN, die da mit dem eigenen Privatjet da rumfliegen können, und in teuren Hotels untergebracht werden. Dann würde ich mir das vielleicht auch überlegen. Aber nee, da sind wir bisschen zu alt für, und wir müssen auch keinem mehr wat beweisen.

Ja, wir haben das Thema ja schon angeschnitten. Die Lockdowngeschichte bremst natürlich alles aus. Aber ihr seid bestimmt heiß drauf, das neue Zeug jetzt auch mal live irgendwie…hinzubiegen.  Wie siehste denn die Chancen für Live-Gigs?

Jooo,ich denke mal, Ende des Jahres stehen die Chancen recht gut, so ab Herbst,  dass das eine oder andere Konzert, mit Auflagen natürlich, stattfinden kann. Da freuen wir uns auch drauf. Wir haben mit MOONTOWERS tatsächlich jetzt in der Corona-Zeit ein Corona-Konzert gegeben, das war sehr, sehr strange. Wennde da vor Leuten spielst, die sitzen, nä, das ist sehr, sehr gewöhnungsbedürftig.  Und das kann ich mir für DESASTER eigentlich gar nich so richtig vorstellen. Aber gut, ist immer noch besser, als gar nicht zu spielen.

Natürlich sind wir heiß darauf, die neuen Songs auch live abzufeuern und mal zu kucken, wie die Reaktionen von den Fans sind. Mal auch wieder watt Neues und Frisches auf die Bühne zu bringen. Das ist für so ne Band auch immer Abwechslung, nicht nur die alten Gassenhauer zu spielen. Klar spielen wir die ooch gerne, aber mal was Neues live zu zelebrieren, macht natürlich auch Spaß.


Die Songauswahl ist sicher auch recht schwierig nach so vielen Platten, oder?

Jaja, sicher. Sicher. Es gibt da auch immer mehr Leute die sich dann aufreechen, warum habt ihr des Lied nicht gespielt, oder spielt doch mal das wieder, oder dies mal überhaupt. Wir spielen halt nie länger ls so 70, 75 Minuten und da kann man natürlich nich‘ alles bringen. Bei manchen Songs weiß ich auch gar nich, ob ich das überhaupt noch hinkrieg. (lacht) Müsste ich mir nochmal anhören.

Aber es freut mich halt, wenn die Fans heiß sind auf bestimmte Songs. Ich versuche dann meistens auch, den einen oder andern Wunsch zu erfüllen, aber manchmal geht das halt nicht. Und da der neue Drummer jetzt auch noch nicht ganz so lange in der Band ist, kann ich jetzt auch nicht anfangen, dass er jetzt das erste Demo auswendig lernt, weil wir das mal live auf die Bühne bringen wollen. Da würde der mir wahrscheinlich nen Vogel zeigen.


Da müßtet Ihr wieder ‘nen neuen Drummer suchen. Das lassen wir mal lieber. Okay, nun habe ich meinen Zettel abgearbeitet, dann würde ich mal sagen, die letzten Worte liegen bei Dir, Falls Du unseren Lesern noch irgendwas auf die Backe knallen möchtest.

Ja, also vielen Dank erstmal für die Unterstützung! Uns gibt es ja auch nur so lang, weil immer ein bisschen Interesse von Seiten der Fans da war. Natürlich macht man die Musik hauptsächlich für sich selbst, das ist ja der Standardspruch, hähä. Aber ich denke mal, wenn Du überhaupt kein Feedback bekommen würdest, würde die Sache auch irgendwann mal langweilig werden. Und deswegen vielen Dank an alle, die uns so lange und so gut unterstützt haben, auch an Dich, Maik, vielen Dank.

Auf der anderen Seite sage ich dann, wir sind ja keine professionelle Band, nä, Ihr braucht das neue Album net zu kaufen. Klaut es irgendwo, ladet es illegal runter, und kauft lieber die Alben von Bands, die derzeit echt in der Krise sind, die wirklich von der Musik leben, und derzeit keine Einnahmen haben, weil sie nicht live spielen können. Das ist natürlich viel schlimmer, also gebt den Bands Euren Support! Ansonsten vielen Dank für das Interview! Maik, war mal wieder schön, mit Dir zu reden.


Ja, hat mir auch Spaß gemacht.

Dann Gruß an Tsunami, gibt es die noch?

Ja, die gibt es noch, heißt jetzt aber Lady Cinis. Sie ist gerade im Wohnzimmer, treibt Sport und hört dazu Bach.

Ja okay, warum net, man kann ja nicht immer nur Krach hören. Also schöne Grüße, nä!

Ja danke, schönen Gruß auch zurück, hat sie mir schon aufgetragen.

Ja, vielen Dank. Hoffen wir, dass der Scheiß bald vorbei ist, und wir mal irgendwelche Partys oder Grillfeten starten können, wo ihr mal wieder kommt, das wäre cool.

Aber das Zelt haben wir nicht mehr, das habe ich vor zwei Jahren entsorgt.

Ja, ich war auch vor etwa fünf Jahren das letzte Mal zelten, glaube ich.

Okay, dann wünsche ich dir ein schönes Wochenende, viel Erfolg und noch viele geile Riffs aus Deiner Feder!

Yo, vielen Dank! Auch Dir ein schönes Wochenende, Hau rein! Bis dann!



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