OHNE PLAN HERANGEGANGEN



Das neue Jahr ist gerade einmal ein paar Tage alt und bereits zu diesem frühen Zeitpunkt hat sich eine Kapelle in meinen Fokus gespielt, die ich bislang nur das das obergeile Albumcover ihres letzten Outputs "Abysmal" in Erinnerung hatte, was vorrangig damit zu begründen ist, dass ich nicht unbedingt der ausgewiesene Fachmann für Schwarzmetall bin. Thron allerdings schafften es, mich mit ihrem am 19.Februar 2021 erscheinenden Album "Pilgrim" zur dunklen Seite zu bekehren und mir bereits jetzt zu so einem frühen Zeitpunkt die Höchstnote abzuringen. Und dazu stehe ich bis zum Tag des Jüngsten Gerichts.

Dieser diabolische Mix aus schnellem, technisch hoch anspruchsvollem Black Metal, gepaart mit fetten, todesbleiernden Anlagen schneidet Fugen in das Stammhirn und ist bis Dato eine der stärksten Veröffentlichungen aus deutschen Landen in dieser Sparte. Ich unterhielt mich darüber mit Gitarrist PVIII und versuchte, ein wenig Licht hinter das Mysterium Thron zu bringen.

Zuallererst meinen herzlichen Glückwunsch zu Eurem neuen Album. Doch bevor wir da ein wenig näher drauf eingehen würden mich mal Eure Pseudonyme interessieren. Woher stammen die und was steckt dahinter?

Hi Olaf, vielen Dank. Finde ich super, dass Dir das Album so gefällt! Die Pseudonyme sind Codes, und unser kleines Mysterium, in welches nur wir selbst eingeweiht sind (grinst).

Thron sind seit gerade einmal seit 5 Jahren aktiv und dennoch gibt es bereits drei vollständige Alben von Euch. Woher nehmt Ihr diese überschüssige Energie? Ich meine, manch andere Band mit solch einer Kreativität wie Ihr sie habt, braucht alleine für das Debüt die gleiche Zeit.

Das liegt hauptsächlich daran, dass ich ständig am Songs schreiben bin. Ich kann gar nicht ohne. Ich habe für das vierte Album schon wieder ein paar Songs stehen (lacht). Sowas wie Schreibblockade kenne ich gar nicht.

Ich habe in den letzten 30 Jahren konstant in Bands gespielt, und war dort immer Songwriter. Seit meinem 15.Lebensjahr kenne ich es also gar nicht anders. Ich muss aber sagen, dass ich 2020 zum ersten Mal etwas gebremst wurde. Die Corona Situation hat sich bei mir nicht so ausgewirkt, dass ich plötzlich viel Zeit hatte, sondern dass meine Arbeit fordernder wurde und auch das Familienleben mehr Zeit und Energie in Anspruch nahm.


Noch eine Frage zur Vergangenheit, bevor wir uns der Gegenwart widmen. Das Cover zu Eurem Vorgänger „Abysmal“ habe ich erst beim zweiten Hinschauen wirklich entdeckt. Wer hatte die Idee zu diesem großartigen Motiv und vor allem wer das so genial umgesetzt? Ich hätte sowas ja eher einer Band wie der Bloodhound Gang zugetraut (grins).

Als wir für „Abysmal“ auf die Suche nach einem Künstler gingen, bin ich auf den argentinischen Maler Santiago Caruso gestoßen, der in Metal Kreisen nicht wirklich bekannt ist, aber unglaublich düstere und vielschichtige Werke kreiert. Er erinnert mich oft an eine Mischung aus Dali und Giger. Jedenfalls war ich drauf und dran, ihn zu kontaktieren, damit er etwas für uns entwirft, bin dann aber auf besagtes Gemälde von ihm gestoßen, und es hat mich sofort fasziniert. Die Lizenz dafür war zu haben, obwohl es eigentlich schon als Buchcover verwendet wurde (Was ich leider erst später herausfand).

Das Cover hat schon etwas Wirbel erzeugt, es wurde in beinahe jedem Review und Interview stark thematisiert. Ich finde das Artwork immer noch grandios, und es wird schwer zu toppen sein.

Kommen wir nun zu „Pilgrim“. Was einem beim ersten Hören sofort auffällt, ist der knackige, kernige, brutale aber dennoch immer differenzierte Sound, der allen Instrumenten den nötigen Freiraum lässt, auch Euren Sänger Samca perfekt in Szene setzt und seine Texte klar rüberbringt. Wer zeichnet sich dafür verantwortlich und wie zufrieden seid Ihr mit dem Ergebnis? Zu meckern kann es da doch nichts geben, oder?

Ja, wir sind auch sehr zufrieden mit dem Sound. Ich hatte bis dato die ersten beiden Alben selbst produziert. Durch den Einstieg unseres Drummers CII, der auch die Iguana Studios bei Freiburg betreibt, lag die Entscheidung natürlich nahe, dass er das Album produziert. Die Iguana Studios sind inzwischen eine der Top Adressen in Deutschland. Chris hat z.B. solche Bands wie Necrophagist, The Spirit, Imperium Dekadenz, Finsterforst, Pessismist, Unlight, Convictors und viele mehr produziert.

Wir haben im Vorfeld viel über den Sound diskutiert. Mir schwebte ein viel roherer Sound als auf den Vorgängern vor. Gleichzeitig sollte es aber auch fetter sein. Für die Gitarren hatte ich die Vorstellung, dass sie eher rockig produziert sein sollten, mit relativ wenig Verzerrung. Er hat zu 100% das umgesetzt was wir uns als Band gewünscht haben. Er ist ein totaler Nerd und arbeitet am Tag ca. 25 Stunden.


Mich begeisterte das musikalische Gesamtkonzept. Jeder Song steht zwar für sich selbst, aber dennoch kann man einen klar akzentuierten roten Faden erkennen, der sich durch das ganze Album zieht. Erzähl mir doch mal ein bisschen darüber, wie das Album entstanden ist, ob ein Konzept dahintersteckt und was uns der Titel erzählen möchte.

Ich bin eigentlich ohne einen Plan an das Album herangegangen, ich muss aber kurz mal erläutern warum ich immer nur von mir spreche.

Bei Thron war es bisher so, dass ich 100% der Musik geschrieben habe und beinahe alle Texte. Die anderen Bandmitglieder sind aber nicht nur „Mietmusiker“ sondern extrem wichtig für das Gruppengefüge. Unseren Sänger Samca kenne ich zum Beispiel. Seit den frühen 90s, und wir machen schon seitdem immer wieder zusammen Musik. Es ist aber auf keinen Fall ausgeschlossen, dass die anderen sich in Zukunft mehr beim Songwriting einbringen. Das fände ich sogar toll. Bis jetzt war es einfach immer so, dass ich schon ein neues Album fertig hatte, bevor die anderen auf 3 zählen konnten (lacht).


Als „Abysmal“ im Oktober 2018 erschien, hatte ich schon drei Songs für Pilgrim fertig gestellt, und im Herbst 2019 war eigentlich alles fertig. Ich finde auch dass sich die Songs noch mehr als zuvor sehr voneinander unterscheiden, und jeder für sich selbst steht. Das erste Album entstand noch unter der Prämisse, dass es zu 100% pure fucking Metal sein musste. Bei „Abysmal“ habe ich gemerkt, dass ich auch andere Einflüsse zulassen kann, ohne die Band irgendwie zu verwässern oder auf zu vielen Hochzeiten gleichzeitig tanze. Bei „Pilgrim“ gab es für mich keine Grenzen mehr. Wenn mir etwas gefiel, habe ich es behalten, ohne darüber nachzudenken, ob es jetzt zu unserem Stil passt oder nicht. Wir sind inzwischen auch selbstsicher genug, um auf eigenen Beinen zu stehen, jenseits des „Dissection Tribute Band“- Stempels. Der Titel bezieht sich auf das lyrische Konzept, auf das ich noch eingehe.

Ihr habt zum Opener „The prophet“ ein richtig geiles Video eingezimmert, welches nicht unbedingt den Eindruck vermittelt, dass Ihr am Hungertuche knabbert. War es von vornherein geplant exakt diesen Song auszukoppeln? Ich finde die Wahl ja hervorragend, da man hier gleich einen perfekten Eindruck Eurer Musik bekommt. Wie war der Dreh? In Corona Zeiten mit Sicherheit nicht unbedingt einfach…

„The Prophet“ hat sich erst sehr spät als Videosong und Opener herauskristallisiert, da wir andere Favoriten dafür hatten. Ich habe den Song auch nochmal komplett umgekrempelt, weil mir ein paar Sachen nicht mehr gefallen haben, und plötzlich hat es klick gemacht. Wir haben uns natürlich gefragt, ob es Sinn macht gerade dieses Lied mit dem ungewöhnlichen Aufbau und dem Progrock Teil in der Mitte zu nehmen, und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir ihn gerade deshalb nehmen sollten. Der Song zeigt in 4:30min unsere komplette musikalische Bandbreite auf.

Der Dreh fand im August 2020 an einem der heißesten Tage des Jahres hier im Artik Club in Freiburg statt. Die Sonne hat erbarmungslos gebrannt, es gab keine Klimaanlage, wir haben ca. 10 Ventilatoren aufgestellt, die eigentlich nichts nutzten. Der Schweiß im Video ist also absolut echt. Unser anderer Gitarrist SII und unserer Sänger Samca sind in dieser Video Produktionsgeschichte bewandert, und so konnten wir mit Hilfe von ein paar anderen Freunde diesen Clip für weniger Geld als man erwarten würde realisieren. Bezüglich Corona: Es war eben mitten im Sommer, und die Inzidenzen zu der Zeit noch sehr niedrig. Von daher gab es da keine Probleme.


Erzähl mir doch bitte ein wenig über das textliche Konzept bei Thron. Ich habe irgendwie das Gefühl, dass trotz des Umstands, dass Ihr Black Metal spielt nicht unbedingt permanent Satan anbetet, sondern Euch auch auf andere Dinge fokussiert.

Wir sind keine religiöse Band. Religionen oder Mythen spielen in unseren Texten aber eine Rolle. Bei Pilgrim geht es um eine spirituelle Person, die sich auf eine Reise begibt, die ihn zu sich selbst führt. Er hadert mit seinen inneren Dämonen, hat Visionen, kann Realität und Fiktion nicht mehr voneinander unterscheiden und verfällt schließlich dem Wahnsinn. Wie du sagst, wir beten nichts an, befassen uns aber viel mit den dunklen Seiten der menschlichen Natur an sich.

Überhaupt muss die Frage gestattet sein, ob es sich bei Thron wirklich ausnahmslos um Black Metal handelt? Ich persönlich finde nicht, da dafür auch ein heftiger Batzen Death Metal in Eurem Sound vorhanden ist und man bei manchen Riffs auch ein wenig den Spirit der Achtziger erkennen kann.

Wir sind sicher keine „klassische“ Black Metal Band, wobei es auch nicht einfach ist, Black Metal musikalisch in eine Schublade einzuordnen. Da gibt es so viel mehr Spielwiesen als z.B. beim Thrash Metal. Die Grenzen sind natürlich auch fließend. Wir sind stark vom Death und Black Metal von Anfang bis Mitte der 90iger geprägt. Das ist der Sound, mit dem ich aufgewachsen bin, und den ich auf der Gitarre gut beherrsche, obwohl ich eigentlich alles Mögliche an Stilen spielen kann. Aber das ist der Sound, der aus mir herauskommt, wenn ich eine Gitarre in die Hand nehme und Metalsongs schreiben will, haha.

Und klar, der klassische 80iger Metal, mit dem habe ich angefangen. Iron Maiden, Metallica, Judas Priest, Mercyful Fate....das sind meine Einflüsse.Ich verfolge die aktuelle Metalszene immer noch intensiv, bin Abonnent von diversen Magazinen, und mag auch ein paar der aktuellen neuen Black oder Death Metal Bands, aber mehr die, die im Underground beheimatet sind.


Ich habe gerade im abgelaufenen Jahr, welches mit großartigen Alben nur so um sich warf, die These aufgestellt, dass die Corona Pandemie und der daraus resultierende Lockdown in der Musikindustrie eine ganze Menge zur Kreativität und Produktivität der einzelnen Bands beigetragen hat. Ist das vielleicht auch ein Grund dafür, dass Thron in solch kurzer Zeit noch so ein überragendes Album eingespielt hat?

Wie oben schon erwähnt hatte die Corona Situation keinen Einfluss auf das Songwriting, da dieses schon Ende 2019 abgeschlossen war. Wir haben uns aber vielleicht etwas mehr Zeit gelassen, um an Produktionsdetails zu feilen. Aber es gibt sicher einige Fälle, bei denen sich Bands mehr Zeit für das Songwriting nehmen konnten und die schlichtweg produktiver sein konnten, da touren nicht möglich war. Ich glaube aber auch, dass die Situation für viele Künstler sehr belastend war und immer noch ist, vor allem für die, die davon leben. Und ich denke, dass dieser Fakt für viele nicht unbedingt mehr Kreativität oder Produktivität zur Folge hatte, da Existenzängste oder Zukunftssorgen dich auch lähmen können.

Bei Euren Bandnamen muss ich mal nach der Phonetik fragen. Thron ist ja ein recht deutsches Wort, welches den meist aufwendig gestalteten Stuhl als Insigne eines Monarchen bezeichnet, auf dem dieser zu besonderen Anlässen Platz nimmt. Wird Euer Name denn auch so ausgesprochen? Manch englischsprachiger Fan könnte damit ein echtes Problem bekommen.

Die Intention zu Beginn war, dass der Name deutsch ist, also der deutsche „Thron“. Aber Nicht-Deutsche sprechen den Namen schon meistens englisch aus, was ich aber nicht schlimm finde.

Ich danke Dir für Deine Zeit und würde mich freuen, wenn Du an dieser Stelle noch das loswirst, was ich vielleicht vergessen habe. Und selbstverständlich darfst Du auch noch kräftig die Werbetrommel rühren, Leute grüßen und allen ins Gesicht brüllen, weshalb Sie „Pilgrim“ kaufen müssen. Deine Zeit läuft!

Jo, Danke für das Interview, Dein Interesse und bleib gesund! Viel Kraft an Alle in diesen besonderen Zeiten. Ich bin nicht gut in Selbstvermarktung, ich will aber erwähnen, dass die Vinylversion von „Pilgrim“ ein Gatefold ist, und sich da die ganze Pracht des Artworks von Khaos Diktator Design entfaltet. Das Cover ist nur Teil einer weiten Landschaft. Und die CD-Version hat einen Bonus Song der nicht auf der 12“ Version ist (grinst).



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