WHAT THE FUCK IS BOFFEE?

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Nachdem ich am ersten Tag durch die lange Anreise viel vom Programm verpasst hatte, wollte ich am zweiten Tag etwas mehr nutzen. Doch die erste Band musste ich mir nicht antun. Wind Rose spielen nach eigener Aussage „Dwarf Metal“, also Zwergen Metal. Bidde? Twilight Force lässt grüßen. Ich passe. Da auch Heidevolk nicht wirklich meine Welt ist, erreiche ich das Gelände erst während des Sets der tschechischen Band Harlej. Die singt auch auf Tschechisch, aber bietet geilen Rock an. Aber nachdem ich das Gelände betreten hatte, musste erstmal die Getränkefrage geklärt werden und wie ich vor Ort feststellen musste, ist die neue Wortkreation „Boffee“ nicht nur einen Lacher beim Barpersonal wert sondern erfreut sich als Running Gag über die restlichen Tage großer Beliebtheit. Was ein Boffee ist? Ganz klar „Beer & Coffee“. Zusammengemixt? Ich bitte Euch! Ich bin nicht pervers. Nein, separat. Es ist schließlich 10:30 da braucht man neben der Gerstenbrause auch noch etwas Koffeinzufuhr. Trotzdem eine gute Kombi.

Die erste Band des Tages kommt für mich heute aus Österreich: Visions of Atlantis spielen zu früher Stunde auf. Da ich sowieso ein Fan des Symphonic Metal bin und außerdem auch mit dem Sänger-Duo Siegfried und Clementine das Frühstück verbracht hatte, war ein Besuch Ehrensache. Die Band beweist eine erquickende Spielfreude auf der Bühne und präsentiert den Fans sogar zwei komplett neue Songs vom kommenden Album, jedoch hätte der Sound ruhig etwas fetter sein können.
Die folgende Band Dymytry kommt aus Prag und sieht aus wie Slipknot für Arme. Klar kann man Masken aufsetzen und harte Musik machen, dann läuft man aber Gefahr, als pures Plagiat abgestempelt zu werden. Na ja, antun muss ich mir das nicht und gehe lieber etwas essen.

Gespannt bin ich da schon eher auf den Act, der nach Dymytry die Bühne betreten soll: Die niederländische Sängerin Annecke van Giersbergen präsentiert ihre neue Band Vuur (holländ. Für Feuer).

Die meisten von euch werden Annecke vielleicht am ehesten als ex-Sängerin von The Gathering in Erinnerung haben, doch die Gute hat unter anderem auch The Gentle Storm mit Ayreon-Mastermind Arjen Lucassen ins Leben gerufen und ist auch als Gastsängerin u.a. bei Within Temptation aktiv gewesen. Mit Vuur möchte die gute ihre progressive Seite zum Vorschein bringen. (HALLO??? Was ist mit Devin Townsend, du Banause???-Olaf) Ganz ehrlich, ich bin wegen dieser Aussage etwas auf Abstand gegangen, da ich kein großer Prog-Fan bin, aber ich lasse mich auch gerne überzeugen.

Zu Beginn des Sets kommt Annecke dann auch mit Gitarre auf die Bühne und unterstützt ihre beiden Gitarristen mit einer guten Rhythmusgitarre. Die Songs an sich sind – Gott sei Dank – auch nicht allzu progressiv ausgefallen und gehen gut ins Ohr. Sie machen auf jeden Fall Lust auf das kommende Album. Nach einer guten Stunde ist der Zauber dann auch vorbei und wir alle sind hin und weg von der Präsenz dieser Sängerin.
Was Bohemian Rhapsody ist, brauche ich wohl niemanden erklären. Wer es nicht weiß, der möge sich bitte jetzt von dieser Seite entfernen. Doch was bitte ist Bohemian Metal Rhapsody?

Kurz und schmerzlos erklärt: Die bekanntesten tschechischen Sängerinnen und Sänger haben sich mit tschechischen Rockmusikern zusammengetan um den Fans eine epische Rockshow zu präsentieren – in Tschechisch. Wie ich später erfahren habe, ist eine dieser Sängerinnen vor allem für ihre Schlagerdarbietung in ihrem Heimatland beliebt. Man stelle sich also nun bitte vor Helene Fischer tut sich mit Doro Pesch, Hansi Kürsch von Blind Guardian und Tobias Sammet zusammen. Musikalisch unterstützt von Mille Petrozza, Tom Angeripper und Alex Landenburg an den Drums. Klingt gruselig, gell? Funktioniert in diesem Fall aber. Klar, textlich war ich jetzt nicht wirklich sicher, ich kann also nicht sagen, ob die Songs rein lyrisch einen Sinn ergeben hatten oder ob man nur Omas Kuchenrezept vertont hat, aber musikalisch war es schlüssig und auch die Schlagersängerin hat eine echt geile Rockstimme präsentiert. Bevor es nun zum nächsten Act geht, muss ich mich im Backstage erst einmal noch mit einer Tagessuppe ausstatten: vegane Gerstenkaltschale mit Schaum.
Wo Bohemian Metal Rhapsody das symphonisch-epische angedeutet haben, bringen nun die Holländer mit aller Macht auf die Bühne: Epica entern ebenjene und zeigen ihren Vorgängern erstmal, wie Papa (oder Mama) sowas macht.

Klar liegt der Fokus von Epica stark auf dem aktuellen Album »The Holographic Principle«, doch auch bandeigene Klassiker der Marke „Unchain Utopia“ und „Cry for the Moon“ haben ihren Weg ins Set gefunden. Außerdem war es für mich als Berliner mal eine wahre Freude, die volle Produktion der Band präsentiert zu bekommen, mit allen Pyros. Später stellt Gitarrist Mark in einem Gespräch mit einem Augenzwinkern fest, dass es für Epica schwierig ist, in Deutschland Pyros zu benutzen, da Rammstein alle Pyros in Deutschland verbrauchen – ich verbesserte ihn grinsend, indem ich ihm verriet, dass Rammstein auch sämtliche Pyros in Deutschland besitzen.
Wer will eine Sepultura-Coverband sehen? Hände hoch! Sind wir mal ehrlich: Spätestens nach dem Ausstieg von Ur-Drummer Igor Cavalera tendiert die Band um Andreas Kisser unter diesem Stigma. Auch wenn Sänger Derrick Green bereits seit fast zwanzig Jahren am Start ist und mit Paulo Xisto Pinto auch der Ur-Basser noch dabei ist. Klar ist es was anderes, wenn die Cavaleras dabei wären, aber das letzte Album der Band war echt fett. Natürlich konzentriert sich die Band auf die Post-Cavalera-Phase, doch unzerstörbare Klassiker der Marke „Refuse/ Resist“, „Arise“ oder natürlich „Roots Bloody Roots“ dürfen selbstredend nicht fehlen. Ein kurzweiliges Set mit viel Power. Nach Sepultura heißt es dann „Schiff ahoi!“, denn Running Wild sind wieder da.

Ja, genau: Die Band um Rock’n’Rolf Kasparek, die 2009 bekanntgegeben hatte, dass sie aufhören und im selben Jahr beim Wacken Open Air einen ultra-schlechten Abschiedsgig gespielt hatten. Drei Jahre nach ihrem Abschied meldeten sich Running Wild mit dem Album »Shadowmaker« zurück. Inzwischen sind noch zwei weitere Alben erschienen und die Band kehrte 2015 sogar wieder livehaftig wieder auf die Bühne zurück – in Wacken. Dass Kasparek wohl wieder richtig Bock auf Rock’n’Roll hat merkt man vor allem in diesem Jahr, da Running Wild gleich mehrere Festival-Gigs spielten. Eines davon halt in Zlin. Da ich vorher mit dem Tour Management sprechen konnte, hatte ich sogar das Glück, als einziger Fotograf die restliche Show von der Bühne aus zu betrachten und zu knipsen. Kommen wir aber zur Show:

Mit „Fistful of Dynamite“ vom »Pile of Skulls«-Album geht es ordentlich los, gefolgt von „Bad to the Bone“. Mit „Rapid Foray“ vom gleichnamigen, letzten Album endet (fast) der Ausflug der Band in die jüngste Vergangenheit. Jetzt soll es Klassiker hageln. Und die kommen. „Soulless“, „Riding the Storm“ oder natürlich „Under Jolly Roger“. Zwischendurch bekommt der Drummer mit einem Drum-Solo sein Spotlight (seit wann bekommt ein Drumcomputer ein Solo? - Olaf). Wenn man das gespaltene Verhältnis zwischen Kasparek und Drummern kennt, wundert einen diese Aktion, sie kommt aber gut. Mit „Conquistadores“ endet ein echt fantastisches Set. Ja, mit Running Wild sollte man wieder rechnen.

Da nach so einer Machtdemonstration eh nicht mehr viel kommen kann und ich auch nie wirklich Fan von Moonspell war, entscheide ich mich, mein Shuttle zu nehmen und Richtung Hotel zu fahren, wo ich mit dem Rest unserer Gruppe noch den Abend in einem örtlichen Pub ausklingen lassen.
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PAT ST.JAMES

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